Staatsanwalt verurteilt: Puffsause mit fremder Kreditkarte - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Staatsanwalt verurteilt Puffsause mit fremder Kreditkarte

Einen Bordellbesuch für 587 Euro hat sich ein französischer Staatsanwalt gegönnt. Die Summe zahlte er brav am selben Abend per Kreditkarte - allerdings mit einer geklauten. Selbst eine interessante Ausrede konnte dem Juristen vor Gericht nicht mehr helfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Straßburg - Zehn Monate Haft auf Bewährung, fünf Jahre Berufsverbot - so lautete das Urteil des Straßburger Landgerichtes gegen den 49-jährigen Staatsanwalt. Der Franzose hatte im Mai 2004 im niedersächsischen Celle an einer Richtertagung teilgenommen, bei der es um "grundlegende ethische Prinzipien für den Staatsanwalt" ging.

Bei einem Abendessen klaute er nach Überzeugung des Gerichts die Kreditkarte einer anderen Teilnehmerin, einer Beamtin des in Straßburg ansässigen Europarats. Von dieser Karte zog das Bordell "Le Bijoux" nach Ermittlungen der deutschen Polizei die Summe von 578 Euro ein. Der Verdacht richtete sich rasch gegen den Franzosen, weil er bereits in der Nacht zuvor in dem gleichen Bordell war und mit seiner eigenen Karte gezahlt hatte.

Der Beschuldigte hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bei der Verhandlung Anfang April entschieden zurückgewiesen. Er habe in dem Etablissement nur Zigaretten kaufen wollen, sagte der mittlerweile vom Dienst suspendierte Staatsanwalt aus der südwestfranzösischen Stadt Bayonne. Er sei ein "starker Raucher" und habe dringend Zigaretten benötigt. Der deutschen Polizei warf er vor, sie habe "parteiisch" und "voreingenommen" ermittelt. Dahinter stehe eine "deutsche Front der Tugend".

str/AFP