Staatsanwaltschaft Keine Hinweise auf Schlamperei
Dresden - "Wir prüfen dennoch, ob damals alles richtig gelaufen ist", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Dresden, Claus Bogner. Bei der Anklagebehörde meldeten sich immer mehr Zeugen, die im Sommer 1997 während des Überfalls auf den sechsjährigen Joseph im Sebnitzer Freibad gewesen seien. Es habe allerdings bislang niemand ausgesagt, dass er Josephs Tod im Schwimmbecken beobachtet oder Neonazis am Ort des Geschehens gesehen habe. Es müsse aber geklärt werden, warum die Zeugen seinerzeit nicht von der Polizei befragt worden seien, so Bogner.
Die Familie des toten Jungen wird unterdessen im Auftrag des Landes Sachsens weiter an einem geheim gehaltenen Ort im Allgäu betreut und geschützt. Unklar sei, wie lange diese Fürsorge dauern könne, sagte Sachsens Regierungssprecher Michael Sagurna. Die Familie sei auf eigenen Wunsch weit außerhalb ihres Heimatortes Sebnitz untergebracht worden. Es sei keinerlei Druck ausgeübt worden, betonte Sagurna. Die Familie könne jederzeit zurückkehren. Notfalls müssten die Sicherheitsvorkehrungen in Sebnitz verstärkt werden, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Joachim Anlauf.
Die Sicherheitslage in Sebnitz scheint derzeit potenziell gefährdet zu sein. Die Stadt sagte die für Sonntag geplante Lichterkette gegen Intoleranz und Gewalt ab. Links- und rechtsextremistische Gruppen beobachteten nach Erkentnissen des Landesamtes für Verfassungsschutz seit Tagen die Lage in der Stadt, sagte der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Joachim Anlauf. Auf Grund dieser Informationen sei die Lichterkette auf unbestimmte Zeit verschoben worden, teilte ein Sprecher der Stadt Sebnitz mit. Es habe die Gefahr bestanden, dass Extremisten die geplante Protestveranstaltung auf dem Marktplatz missbrauchen könnten.
Nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks hatten linksextremistische Gruppen im Internet angekündigt, die nächsten Chaostage nicht in Hannover sondern in Sebnitz stattfinden zu lassen.