Stechbeitel und Klopfholz: Ein Eichenstamm als Hassobjekt - DER SPIEGEL
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Heimwerker vs. Baumstamm: Auf dem Holzweg

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Gesägt, getan So ein hohles Projekt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Stück Baumstamm aushöhlen, schwupps, fertig ist das Schalen-Unikat? Von wegen. Hohl waren an diesem Projekt vor allem Idee und Ausführung. Ein Protokoll des Scheiterns.

In den vergangenen Tagen musste ich öfter an den Film "Robin Hood - König der Diebe" denken. Darin schaffen es Robin und sein treuer Begleiter Azeem in einer Szene nicht, eine massive Holztür aufzubrechen, um die Maid Marian aus den Händen des fiesen Sheriffs von Nottingham zu befreien. Azeem bringt die Sache auf den Punkt: "Verdammte englische Eiche!" 

Wenn man das "englische" weglässt, trifft dieser Satz meine Gefühlslage ganz gut. Aber der Reihe nach.

Von einem Bekannten hatte ich ein hübsches Stück Eichenstamm bekommen. Als Spaltklotz zu niedrig, zum Verbrennen zu schade. Aber es erschien mir perfekt für ein Projekt, das ich schon länger im Kopf hatte: ein Stück Baumstamm in zwei Teile zu zersägen, die Hälften auszuhöhlen, mit einem Scharnier zu verbinden und als Kiste zu benutzen. Ein Unikat, hergestellt nur mit Handwerkzeug, ohne Maschinen. Und selbstverständlich stylisch, in Gedanken war die Stamm-Kiste das Schmuckstück jeder skandinavisch angehauchten Wohnlandschaft.

Die Idee, dass die Kiste quasi fertig im Holz existiert und ich sie bloß noch freilegen muss, faszinierte mich. Leider ließ mich meine Faszination vergessen, dass ich bestenfalls eine vage Vorstellung davon hatte, wie viel Arbeit auf mich zukommen würde. Eiche ist hart, ganz gleich, ob englische oder deutsche. Das haben Sie bei Robin Hood natürlich nicht gesagt.

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Heimwerker vs. Baumstamm: Auf dem Holzweg

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Ich hatte die (wie ich damals noch dachte) brillante Idee, möglichst viel Material durch Bohren zu entfernen. Was der Bohrer wegmacht, muss man nicht mühsam mit Stechbeitel und Schlegel herausstemmen.

Es stellte sich schnell heraus, dass Bohren alles andere als schnell ging. Sondern Maschine und Mensch alles abverlangte. Eiche brachial.

Die Frage nach dem Warum stellte ich mir erstmals, als ein Bohrer den Geist aufgab, überhitzt und verbogen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war mir auch klar, dass es keine Kiste geben würde. Sondern eine wunderbare handgemachte Schale, ein Schmuckstück für jeden Wohnzimmertisch. Zack, die Hälfte der Arbeit gespart.

In stundenlanger Arbeit kämpfte ich mich Millimeter für Millimeter ins Holz vor. Bohren, Klopfen, Wegstemmen, Bohren, Klopfen, Wegstemmen. Irgendwann wurde ich beim Bohren unvorsichtig (von diversen Hammerschlägen auf die Finger abgesehen).

Endspurt im "Drauf geschissen"-Modus

Ich bohrte zu tief, durch das komplette Holz hindurch. Schale im Eimer. Egal, zu dem Zeitpunkt war ich sowieso schon im "Drauf geschissen"-Modus. Meiner Erfahrung nach hat jeder Heimwerker diesen Aggregatzustand schon mal erreicht oder zumindest bei anderen erlebt. Er manifestiert sich in Sätzen wie "Sieht doch keiner", "Perfektion ist überschätzt" oder "Komm, lass fertig werden mit der Kacke hier".

Angesichts der Bohrlöcher war mir klar, dass am Ende meines Projektes keine hübsche Schale stehen würde. Sondern ein ausgehöhltes Stück Holz, das innen aussieht, als hätten sich übergroße Borkenkäfer mal richtig ausgetobt. Das Einzige, was ich freigelegt hatte, war ein Mahnmal meines Scheiterns.

Da ist nix zu retten. Meine Idee ist, die Schale mit einem Deckchen auszulegen, um all die hässlichen Löcher zu verstecken. Außen noch ein bisschen feiner schleifen, vielleicht ein wenig einölen. Dann könnte ich mich eventuell damit anfreunden, das Ding ins Haus zu nehmen.

Wahrscheinlicher ist aber, dass es als Natur-Blumenkübel im Garten endet. Löcher im Boden für den Wasserablauf hat es ja schon mal.


Was waren Ihre "Drauf geschissen"-Projekte? Schreiben Sie mir (gerne mit Fotos) an benjamin.schulz@spiegel.de

Mit der Einsendung versichern Sie uns, dass Sie der Urheber des Materials sind und einer honorarfreien Veröffentlichung zustimmen.

Foto: Maja Hitij/ picture alliance / dpa
Foto: Jeannette Corbeau

Als Kind stellte er im heimischen Keller Holzschwerter in Massenproduktion her. Heute prüft er mit der Wasserwaage, ob der Haussegen schief hängt. SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Benjamin Schulz ist Bastler aus Leidenschaft und Notwendigkeit. Er hat wenig Erfahrung und keine Fachkenntnis, dafür fehlt ihm oft das passende Werkzeug.Im Blog "Gesägt, getan" schreibt er über seine Basteleien und den mühsamen Weg zur Heimwerker-Erleuchtung.

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