Stefan Aaron: Mit orangefarbenem Klavier auf Tour
Klavierkonzert auf Chinesischer Mauer "Das war der Hammer"
Normalerweise komponiert und produziert Stefan Aaron Poplieder, tritt als Pianist und Sänger in Konzerthallen auf. Der Münchner saß schon für Tennislegende Boris Becker, Starkoch Alfons Schubeck und den FC Bayern am Klavier. Normalerweise.
Im vergangenen Jahr startete Aaron seine Orange-Piano-Tour, die ihn und sein orangefarbenes Klavier an außergewöhnliche Orte auf der ganzen Welt führen soll. Den Anfang machte ein Konzert auf dem 4206 Meter hohen Alphubel im schweizerischen Saas-Fee. Nun stand der zweite Teil der Tour an - ein Auftritt auf der Chinesischen Mauer am Juyong-Pass, etwa 50 Kilometer von Peking entfernt.
SPIEGEL ONLINE: Erst ein Klavierkonzert auf einem mehr als 4000 Meter hohen Gipfel, jetzt auf der Chinesischen Mauer. Was soll das?
Aaron: Mir geht es darum, das Klavier aus seinem normalen Umfeld herauszuholen, weg von der Bühne, weg aus Bars oder Cafés. In Kombination mit meiner Abenteuerlust und dem Wunsch, beim Klavierspielen auch einen Nervenkitzel zu erleben, kommen dann die Ideen für diese Orte zustande.
SPIEGEL ONLINE: Wie lief das Konzert auf der Mauer?
Aaron: Das war der Hammer, auf diesem bombastischen Bauwerk spielen zu dürfen. Den "Great-Wall-Song" , den ich extra für diesen Augenblick komponiert habe, an dem Ort uraufzuführen, war Gänsehaut pur.
SPIEGEL ONLINE: Was steckt hinter dem Song?
Aaron: Er soll die Größe dieses beeindruckenden Monuments hervorheben. Ein Mann will die Liebe zu einer Frau beweisen. 100 Rosen reichen dafür nicht aus, deshalb spielt er Klavier auf der Chinesischen Mauer.
SPIEGEL ONLINE: Das Klavier ist in einem knalligen Orange lackiert. Warum?
Aaron: Ich will Energie und Leidenschaft transportieren. Nicht nur mit meinen Liedern, auch mit der Farbe des Klaviers. Orange hat für mich etwas sehr Positives.
SPIEGEL ONLINE: Wie ist das Klavier auf die Mauer gekommen?
Aaron: Vor einem Monat habe ich es per Schiff nach China geschickt. Dann wurde es von einer Spezialfirma für Piano-Transporte mit einem Lastwagen so nah wie möglich an die Mauer herangefahren. Das letzte Stück mussten es die acht Jungs von der Firma hochschleppen. Die waren auch etwas verwundert über den Auftrag, sind für mich aber die eigentlichen Helden. Wir hatten fast 40 Grad und die Stufen der Chinesischen Mauer sind extrem steil, teilweise bis zu einem halben Meter hoch. Ich hatte da den einfachsten Job - ich musste mich nur ans Klavier setzen und losspielen.
SPIEGEL ONLINE: Wäre es mit einem Hubschrauber nicht einfacher gewesen?
Aaron: Das war der ursprüngliche Plan. Ich hätte es gerne wieder so spektakulär wie in der Schweiz gehabt - mit Helikopter. Aber dafür gab es leider keine Genehmigung.
SPIEGEL ONLINE: Und die Genehmigung für den Auftritt an sich war kein Problem?
Aaron: Zum Glück arbeite ich mit einem amerikanischen Kameramann zusammen, der von der ganzen Aktion ein Musikvideo produziert. Er kennt jemanden, der wiederum jemanden bei den lokalen Behörden kennt…So hatte ich das Go innerhalb weniger Monate. Sonst hätte es wohl drei Jahre gedauert.
SPIEGEL ONLINE: Was wird die nächste Station der Orange-Piano-Tour?
Aaron: Das ist auch sponsorenabhängig. Diese Projekte sind ziemlich kostspielig. Vielleicht unternehme ich noch einmal einen neuen Anlauf, auf der Pyramide von Gizeh spielen zu dürfen. Der neue ägyptische Tourismusminister soll wohl etwas aufgeschlossener für solche Projekte sein als sein Vorgänger. Und dann habe ich noch einen Traum: Am 21. Dezember soll ja laut Maya-Kalender die Welt untergehen. Da würde ich gerne auf der Pyramide in Yucatán in Mexiko spielen. Sollte die Welt dann wirklich untergehen, habe ich das wenigstens noch gemacht.