Steuerhinterziehung Freispruch für Pavarotti
Der italienische Startenor Luciano Pavarotti ist am Freitag vom Vorwurf der Steuerhinterziehung frei gesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft von Modena hatte 18 Monate Haft gefordert, weil Pavarotti zwischen 1989 und 1995 den italienischen Finanzbehörden Einkommen von 40 Milliarden Lire (rund 40 Millionen Mark) verschwiegen habe. Pavarotti hatte sich mit dem Argument verteidigt, Italien sei nicht sein Lebensmittelpunkt.
Der 66-jährige Pavarotti selbst war zwar vor Gericht erschienen, aber nicht bis zur Urteilsverkündung durch Richterin Carla Ponterio geblieben. Nur seine um 30 Jahre jüngere Lebensgefährtin Nicoletta Mantovani saß noch im Saal. "Wir sind überglücklich. Wir haben das erwartet", sagte sie. Verteidiger Massimo Leone rief "Big Luciano" direkt aus dem Verhandlungssaal am Handy an. "Freispruch!", rief er ins Telefon. "Ende gut, alles gut", fügte er hinzu. Pavarotti selbst wurde von der Nachrichtenagentur ANSA mit den Worten zitiert: "Das Gesetz ist für alle gleich - es freut mich, dass es so ist."
Richterin Ponterio folgte mit ihrem Urteil Pavarottis Argumentation, wonach sich sein Lebensmittelpunkt nicht in Italien befinde. Der Auftritt des Startenors selbst bei der Abschlussverhandlung war überraschend gewesen, er ergriff jedoch nicht das Wort. Sein Verteidiger Massimo Leone sagte, Pavarotti verbringe mehr als die Hälfte des Jahres in den USA und habe keinen Wohnsitz in Italien. Dies sei jedoch die Voraussetzung für eine Steuerpflicht, gab er zu bedenken. Pavarotti sei ein "Globetrotter". Wenn er für ein paar Tage nach Italien komme, übernachte er bei Freunden. In seine Heimat kehre er nur zurück, "um abzunehmen oder Bekannte zu besuchen".
Zuvor hatte Staatsanwalt Luongo argumentiert, Pavarotti besitze in Italien Villen und Ländereien. Zwar lebe er offiziell in Monaco, wo er kaum Steuern zu zahlen habe, doch der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen sei eindeutig immer Italien gewesen, sagte Luongo. Der Startenor hatte sich zunächst mit dem italienischen Fiskus auf eine Steuernachzahlung von gut 20 Milliarden Lire geeinigt gehabt, doch die Justiz hatte dann einen Prozess verlangt.