Steuerverfahren Neuer Ärger für Becker
München - Das bayerische Justizministerium bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht. Durch eine vorgetäuschte Verlegung seines Wohnsitzes nach Monaco soll Becker 33 Millionen Mark an der deutschen Steuerbehörde vorbeigeschleust haben. Im schlimmsten Fall drohe Becker eine Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren.
Becker-Sprecher Robert Lübenoff wies die Vorwürfe zurück. "Das ganze ist ein formelles Vorgehen, wie es in solchen Situationen üblich ist", sagte Lübenoff. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen unter dem Aktenzeichen 303-Js-44173/01 aufgenommen, schreibt das Magazin "Focus".
Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass Becker seit 1985 seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hatte und nicht in Monaco. Somit gelte deutsches Steuerrecht. Beckers Geschäfte seien zudem seit seinem ersten Wimbledon-Sieg 1985 von seinem Elternhaus in Leimen aus geführt worden. Beckers Vater habe von dort aus den Sponsoren Anweisungen erteilt, Verträge ausgehandelt und Preisgelder kassiert.
Für "entscheidungsunerheblich" hielten die Ermittler dagegen, dass Becker als Angestellter der Firma Tivi B.V. seines Managers Ion Tiriac mit Sitz in Amsterdam firmierte. Die Generalvollmacht für die Geschäfte des jungen Tennisstars habe bei Vater Karl-Heinz und Mutter Elvira Becker in Leimen gelegen.
Der Steuerstreit hat eine lange Geschichte. Seit fünf Jahren sitzen Steuerfahnder bereits an dem Fall. Am 24. August hatten die Fahnder schließlich ihren Abschlussbericht vorgelegt - 312 Seiten dick mit 40 Seiten Anhang. Bislang hatte die Staatsanwaltschaft die Aufnahme von Strafermittlungen immer abgelehnt.
Nun hat sich das geändert. In dem Ermittlungsverfahren geht es insgesamt um die Jahre von 1985 bis 1993. Damals lebte der Tennisstar im Steuerparadies Monaco. 1993 kaufte er in München-Bogenhausen ein Haus und heiratete im Dezember Barbara Feltus. Bereits im Dezember 1996 durchsuchten Ermittler die Villa der Beckers in München und beschlagnahmten Unterlagen. Im Sommer 1998 wurden dann etwa 30 Büros und Wohnungen von Bekannten und Sponsoren Beckers durchsucht. Beckers Anwälte haben laut "Focus" bis Ende November Zeit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Danach entscheide die Münchner Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage erhebe. Mit einer Entscheidung der Staatsanwaltschaft werde nicht vor dem Frühjahr gerechnet.
Neben seiner mit viel Mediengetöse vollzogenen Scheidung von seiner Frau im Januar, musste Boris Becker in diesem Jahr schon mehrere geschäftliche Niederlagen hinnehmen. Im Juni ging sein Internetportal Sportgate Pleite und im August stellte seine Agentur BBM Boris Becker Marketing GmbH (Unterföhrung) ihre Arbeit ein.
Steffi Graf dagegen hat ihren Frieden mit den deutschen Steuerbehörden längst gemacht. Die Tennis-Königin zog Ende 2000 eine Klage gegen Steuerbescheide in Millionenhöhe zurück und zahlte - laut "Bild"-Zeitung insgesamt 27 Millionen Mark.