Stichwort "Atom-Stadt" Los Alamos
Die von einem riesigen Wald- und Buschfeuer heimgesuchte Stadt Los Alamos liegt bei Santa Fe und gut 100 Kilometer nördlich von Albuquerque im US-Staat New Mexico. Sie umfasst die zahlreichen Einzelgebäude des "Los Alamos National Laboratory", die jahrzehntelang die bedeutendste US-Rüstungsschmiede für Nuklearwaffen war, Häuser und Wohnungen für Beschäftigte und deren Familien sowie diverse Versorgungseinrichtungen. Das heißt, die Stadt dreht sich ganz um das Atomwaffenlabor.
Der gesamte Komplex inklusive der Plutoniumfabriken Hanford und Oak Ridge liegt auf einer Fläche von 110 Quadratkilometern. Das Labor gehört dem US-Energieministerium. Verwaltet wird es von der Universität von Kalifornien.
Die amerikanische Regierung stampfte die "Atom-Stadt" 1943 aus dem Boden. In der Wüste bei Los Alamos zündeten Forscher am Morgen des 16. Juli 1945 die erste Atombombe der Welt. Atomphysiker Robert Oppenheimer und seine Kollegen hatten damit das streng geheime Rüstungsprojekt "Manhattan" vollendet. Hier wurden angereichertes Uran, Tritium und Plutonium hergestellt. Eingebaut in die zynisch "Little Boy" und "Fat Man" genannten ersten Atombomben, töteten die Bomben in Hiroschima und Nagasaki sekundenschnell 100.000 Japaner und ließ weitere 100.000 qualvoll dahinsiechen.
Bis 1955 war Los Alamos als militärisches Sperrgebiet geschlossen und rund um die Uhr von Militärposten bewacht. Nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter wurden damals Briefe zensiert, Geheimnisträger außerhalb der Anlage beschattet. In den 32 Labors der Stadt wurden zwei Drittel aller Atomwaffen Amerikas entwickelt. Von dort stammten die Mehrfachsprengkörper der Interkontinentalraketen und die Nuklearladungen, mit denen die land- und seegestützten Marschflugkörper bestückt sind.
Heute sind Hanford und Oak Ridge verwaist, das Gelände hochgradig radioaktiv verseucht. Nur im Los Alamos National Laboratory wird noch gearbeitet. Mit dem Ende des Kalten Krieges versiegte die Auftragsflut aus Washington. Die staatliche Forschung ist inzwischen eng verzahnt mit privatwirtschaftlichem Engagement, nachdem 1962 ein Teil der Anlagen privatisiert wurde. Heute befassen sich die Wissenschaftler größtenteils mit nichtmilitärischer Forschung. Öl- und Erdgaskonzerne etwa nutzen die dortigen Computer, um seismologische Tests auzuwerten. Herzstück der Forschungslandschaft ist der Protonenbeschleuniger LAMPF (Los Alamos Meson Physics Facility), der weltweit den größten Strahlenstrom liefert. Er wird für Experimente der Elementarteilchen- und Kernphysik genutzt.