Stichwort Schützenvereine: Folklore oder heimlicher Militarismus? - DER SPIEGEL
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Stichwort Schützenvereine Folklore oder heimlicher Militarismus?

Der Schießsport wird in Deutschland vor allem in Schützenvereinen praktiziert. Allein 15.000 Vereine mit etwa 1,6 Millionen Mitgliedern sind dem Deutschen Schützenbund (DSB), der größten und ältesten deutschen Dachorganisation von insgesamt 23 Verbänden, angeschlossen.
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Darüber, wie viele Schützenvereine insgesamt bundesweit aktiv sind, gibt es keine konkreten Zahlen. Allein im ersten Jahr nach der Wiedervereinigung haben sich in Ostdeutschland jedoch über 50 neue Vereine gebildet, um alte Traditionen wieder aufleben zu lassen. Einer von ihnen ist der SV "Domblick" Erfurt 1990, dem der 19-jährige Erfurter Amokschütze Robert Steinhäuser angehörte.

Insbesondere in ländlichen Regionen tragen Schützenvereine zur Pflege des Brauchtums bei und prägen bei Festen das Bild durch Festumzüge und Wettschießen mit Schützenkönig und -königin. Für viele Außenstehende gilt das Hobby der Schützen eher als folkloristisch denn als sportlich. Der DSB betont jedoch den sportlichen Charakter. Er bemüht sich bei seiner Nachwuchswerbung verstärkt um Kinder.

Knapp 66.000 Kinder bis 13 Jahre waren Anfang 2000 nach Angaben des Verbandes Mitglied im DSB. Zudem waren über 172.000 junge Menschen im Alter von 14 bis 20 Jahre im Verband organisiert. Sie gehören der Deutschen Schützenjugend an, die 1954 gegründet wurde und dessen Arbeit nach eigenen Angaben "durch gesellschaftliche und sportliche Vielfalt, Mitbestimmung, Mitgestaltung und Mitverantwortung sowie durch Spaß und Kreativität" gekennzeichnet ist.

Neben dem regelmäßigen Vereinssport finden bundesweit Sichtungswettbewerbe für junge Talente sowie Wettkämpfe statt. Ferner gibt es internationale Wettkämpfe. Zunehmend nutzen auch die Schützenvereine das Internet, um ihre Mitglieder über die Vereinstätigkeit vor Ort und Wettkampftermine zu informieren.