Strategiewechsel der Qaida Nadelstiche statt Massenmorde
New York - Die Liste der Bombenziele ist lang: Kenia, Somalia, Philippinen, Tunesien und natürlich der 11. September 2001 in Washington und New York. Bislang haben sich die Terroristen des al-Qaida-Netzwerks vor allem durch spektakuläre Anschläge auf möglichst viele Menschen hervorgetan. Nach Berichten des Nachrichtensenders CNN scheinen sich die Ziele der Angreifer in letzter Zeit zu ändern. Unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichtet CNN Online, dass zunehmend Einzelpersonen, Politiker und Diplomaten, im Visier der Terroristen stünden.
Als Beispiel wird der Mord an dem US-Diplomat Laurence Foley genannt, der im Oktober im jordanischen Amman getötet wurde. Die Todesschützen wurden gefasst, sie haben gestanden, zu Bin Ladens Terrornetz zu gehören - und sie hatten Pläne, noch weitere US-Bürger zu töten. Die Männer, die nach CNN-Angaben in Afghanistan ausgebildet wurden, sollen von Abu Mussab al-Zarqawi bezahlt worden sein.
Im November war ein Tonband aufgetaucht, in dem der untergetauchte al-Qaida-Mann al-Zarqawi Deutschland und Frankreich als Ziele für kommende Anschläge nannte. Seine Aufgabe soll auch gewesen sein, Terroristen mit gefälschten Pässen nach Europa zu schleusen.
Wie es in dem CNN-Bericht weiter heißt, soll Abd al-Rahim al-Nashiri, der als Einsatzleiter Bin Ladens am Persischen Golf galt, eine ganze Reihe von Exekutionen geplant haben. Dazu kam es allerdings nicht mehr, da er im November festgesetzt wurde. Al-Nashiri soll der Drahtzieher bei dem Anschlag auf das US-Kriegsschiff "USS Cole" gewesen sein, bei dem im Oktober 2000 im Hafen der jemenitischen Stadt Aden 17 Amerikaner ums Leben kamen. Auch an den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania soll er beteiligt gewesen sein, bei denen 264 Menschen getötet wurden.
Weiterer Hinweis auf einen Strategiewechsel der Qaida-Truppen sei die Entdeckung eines Rizin-Labors in der britischen Hauptstadt vor rund zwei Wochen. Bereits kurz nachdem die Ermittler Spuren des tödlichen Atemgifts in der Londoner Wohnung gefunden hatten, wurde klar, dass auch die Terroristen im Afghanistan mit dem toxischen Stoff experimentiert hatten. Die vier Algerier, die in London festgenommen und inzwischen als Terroristen angeklagt wurden, sollen Kontakte zu al-Zarqawi gehabt haben.
Erst am Dienstag war in Kuweit ein Anschlag auf zwei US-Bürger verübt worden. Am Mittwoch meldeten die Agenturen die Festnahme mehrere Männer, die al-Qaida-Anhänger sein sollen.