Streit um Eisbär-Star beendet Knut wird Berliner - auf Raten
Berlin - Ausgerechnet am Tag der guten Nachricht für Berlin blieb der internationale Star hinter den Kulissen. Während der Streit um das Fell des Bären offiziell begraben wurde, konnte Knut nicht in sein Außengehege, es wurde geputzt. Enttäuschte Besucher warteten am Mittwoch vergeblich auf einen Auftritt des "Bärliners". Denn Knut gehört - nach einem in der Zoowelt wohl einmaligen Hickhack - jetzt der deutschen Hauptstadt.
430.000 Euro lässt sich Deutschlands ältester Zoo seinen tierischen Publikumsmagneten kosten. Abgestottert wird die Summe in drei Raten: 350.000 Euro in den nächsten Tagen, zwei weitere Raten von jeweils 40.000 Euro folgen 2010 und 2011. Im Gegenzug tritt der Tierpark Neumünster seine Eigentumsrechte an Knut ab - und alle weiteren Ansprüche.
Damit endet ein zähes Ringen: Der Tierpark Neumünster und der Hauptstadt-Zoo hatten sich um die Lizenzeinnahmen aus der Vermarktung des international beliebten Bären gestritten, die in die Millionen gehen. Knuts Vater Lars stammt aus Schleswig-Holstein und war dem Berliner Zoo zu Zuchtzwecken ausgeliehen worden. Als erstes Jungtier aus dieser Zucht gehörte Knut laut Vertrag angeblich den Neumünsteranern.
Knut war gleich nach der Geburt Ende 2006 im Zoologischen Garten in Berlin von seiner Mutter verstoßen und von dem inzwischen verstorbenen Pfleger Thomas Dörflein mit der Flasche aufgezogen worden. Nach seiner öffentlichen Vorstellung im März 2007 hatte sich Knut zu einem absoluten Publikumsmagneten entwickelt: Noch im selben Jahr zählte der Zoo mehr als drei Millionen Besucher, ein Plus von 27 Prozent gegenüber 2006.
Der Berliner Zoo soll nach Angaben aus Neumünster allein eine Million Euro mit den Vermarktungsrechten eingenommen haben.
Im Mai waren die Schleswig-Holsteiner deshalb vor das Landgericht Berlin gezogen.In der Gerichtsverhandlung hatte der Berliner Zoo zunächst angeboten, Knut sowie dessen Vater Lars für insgesamt 350.000 Euro zu kaufen. Neumünster wollte allerdings mindestens eine halbe Million Euro haben - nun traf man sich in der Mitte. Mit dem Großteil der Summe will der norddeutsche Tierpark dringend notwendige Umbau- und Renovierungsarbeiten bezahlen.
"Ich bin damit zufrieden, dass wir jetzt Ruhe haben", sagte der Berliner Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz. Einfach sei die Einigung nicht gewesen. Für ihn war es der erste öffentliche Auftritt, nachdem ihm ein Finger amputiert worden war, weil ihn ein Affe gebissen hatte. Blaszkiewitz hatte versucht, einen Schimpansen durch die Gitterstäbe mit Walnüssen zu füttern.
Ob für den jetzt zweieinhalbjährigen Knut ein neues Gehege gebaut wird, wollte Blaszkiewitz nicht sagen. Es gebe aber "dezidierte Vorstellungen". Nur so viel: "Wir werden tierschützerisch das Beste für Knut machen."