Streit um Opferentschädigung: Vorstand der Odenwaldschule gibt auf - DER SPIEGEL
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Streit um Opferentschädigung Vorstand der Odenwaldschule gibt auf

Der Vorstand der Odenwaldschule hatte angekündigt, die Missbrauchsopfer zügig finanziell zu entschädigen. Doch bisher ist kein Geld geflossen, die Lage ist verfahren. Nach nur einem halben Jahr Arbeit tritt die Führungsspitze nun überraschend zurück.
Odenwaldschule im hessischen Heppenheim: Woher soll das Geld für die Opfer kommen?
Odenwaldschule im hessischen Heppenheim: Woher soll das Geld für die Opfer kommen?

Odenwaldschule im hessischen Heppenheim: Woher soll das Geld für die Opfer kommen?

Foto: Boris Roessler/ dpa
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von einem Missbrauchsskandal erschütterte Odenwaldschule

Heppenheim - Die steht wieder ohne Führungsspitze da. Die für einen rigorosen Neuanfang stehenden Vorstände Johannes von Dohnanyi und Michael Frenzel haben am Sonntag überraschend aufgegeben. Der siebenköpfige Vorstand war in Heppenheim zusammengekommen, um über eine mögliche Entschädigung der Missbrauchsopfer an dem Elite-Internat zu beraten. Nach einer kurzen Vorbesprechung verlasen Frenzel und von Dohnanyi ihre Rücktrittserklärung und verließen die Sitzung.

Ihr Ziel, die inzwischen 125 Opfer noch in diesem Jahr finanziell zu entschädigen, haben sie verfehlt. Der erst Ende Mai in den Vorstand gewählte Frenzel hatte angekündigt, dass eine sechsstellige Summe an den von Opfern gegründeten Verein "Glasbrechen" überwiesen wird. Die Missbräuche liegen schon viele Jahre zurück und gelten laut Staatsanwaltschaft als verjährt - wenigstens eine finanzielle Entschädigung sollten die Opfer erhalten.

Nach von Dohnanyis Angaben hat sich in den vergangenen Wochen innerhalb der Schulleitung und des Trägervereins eine Gruppe gebildet, die eine schnelle Umsetzung wegen der angespannten Finanzlage der Schule ablehne. "Wir waren für den Trägerverein nur noch die Buhmänner", so von Dohnanyi. In einer Mitteilung erklärte er: "Wir hoffen, der Schule mit unserer Entscheidung einen Weg eröffnet zu haben, die drängenden Probleme nun endlich konstruktiv und solidarisch anpacken zu können."

Zuerst war von rund 50 Missbrauchsopfern aus den Jahren von 1966 bis 1991 ausgegangen worden, die von der Entschädigung profitieren sollten. Doch inzwischen hat sich deren Zahl auf 125 erhöht.

Bereits im September hatte die frühere Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth (CDU) bei einem Besuch der Reformschule im südhessischen Heppenheim Hoffnungen auf eine finanzielle Entschädigung gedämpft. "Es fehlt nicht an der Bereitschaft dazu", sagte Süssmuth. "Aber ich muss dann auch sagen, aus welchen Mitteln das Geld kommen soll." Die Schule selbst könne dies nicht bezahlen. "Das Problem der Entschädigung ist ungelöst." Süssmuth unterstützt das Elite-Internat bei der Neuorientierung.

Die Odenwaldschule kündigte für den späten Nachmittag eine Erklärung an.

wbr/dpa/dapd