Stromausfall: Chaos in Moskau - DER SPIEGEL
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Stromausfall Chaos in Moskau

Ein schwerer Stromausfall hat in der russischen Elf-Millionen-Metropole Moskau über Stunden für Chaos gesorgt. Der Verkehr brach komplett zusammen, Zehntausende Menschen steckten in U-Bahn-Zügen fest.
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Moskau - Zur Mittagszeit ging nichts mehr in der Elf-Millionen-Stadt: Insgesamt fünf Metro-Linien standen russischen Medienberichten zufolge still. Fast 20.000 Moskauer saßen in der U-Bahn, allein 43 Wagen in Tunneln fest. Auch Straßenbahnen und elektrischen Busse blieben liegen. Weil in weiten Teilen der Stadt die Ampeln ausfielen, versuchten Tausende Polizisten, dem Chaos auf den Kreuzungen per Handzeichen Herr zu werden. In den betroffenen Bezirken blieben auch Krankenhäuser ohne Energie, wie die Behörden mitteilten.

Grund für den Stromausfall waren ein Brand und eine Explosion im Kraftwerk Schagino, wie der Energieversorger SEU mitteilte. Kraftwerk und Leitungsnetz seien wegen mangelnder Investitionen in schlechtem Zustand, bei dem Brand habe sich das Kraftwerk deshalb sofort automatisch abgeschaltet.

Im Innenministerium funktionierten über Stunden weder Telefone noch Computer. In Wohn- und Bürohäusern blieben mehr als 1500 Moskauer in Aufzügen stecken, teilte der Zivilschutz mit. In den Kühlregalen der riesigen Einkaufszentren am Stadtrand drohten Tonnen von Lebensmitteln zu verderben.

Die Moskauer Verkehrsbetriebe setzten 1000 Busse ein, um den Ausfall der U-Bahn-Linien auszugleichen. Einsatzkräfte halfen den in Tunneln festsitzenden Fahrgästen ins Freie. "Es gab keine Panik", betonte eine Sprecherin der Moskauer Metro. Auch drei Stunden nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes stand die Untergrund-Bahn streckenweise weiterhin still.

Auch im Moskauer Föderationsrat brach das Stromnetz zusammen. Die Abgeordneten der gerade stattfindenden Plenarsitzung bekamen davon allerdings nichts mit - hier sorgte ein Notstromaggregat für Licht. Um Diebstählen oder Plünderungen vorzubeugen, wurden die meisten Geschäfte und Handelszentren der Stadt vorübergehend geschlossen. Weil die Pumpstationen nicht mehr funktionierten, musste vielerorts das Trinkwasser abgeschaltet werden.

An der Moskauer Börse musste der Wertpapierhandel wegen technischer Probleme unterbrochen werden. Auch im Gebiet Tula, 150 Kilometer südlich von Moskau, fiel die Stromversorgung komplett aus. Der südlich vom Zentrum gelegene Flughafen Wnukowo meldete Ausfälle, die sich aber nicht auf den Flugverkehr auswirkten.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat wegen der massiven Stromausfälle in Moskau eine geplante Dienstreise nach Südrussland verschoben. Das teilte Kremlsprecher Alexej Gromow heute in Moskau mit.

Die Moskauer Metro in Zahlen

Länge: 264 km
Zahl der Stationen: 160
Fuhrpark Wagons: 4150
Passagiere/Tag: 9 Millionen
Intervall zwischen den Zügen: 85 Sekunden
In Stoßzeiten: 40 - 45 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 41 km/h
Längste Linie: "Samoskworezkaja", 40,3 km
Längster Tunnel: Kaluschsko-Rischskaja-Linie,
39.5 km zwischen den Stationen
"Kaschirskaja" und "Kachowskaja"

Am tiefsten gelegene Station: "Dubrowka", 62 m