Stromausfall Stunde der Notstromaggregate
Berlin - Eine Abkürzung, die Leben rettet: USV. Die drei Buchstaben stehen für "unterbrechungsfreie Stromversorgung" und gehören zur Standard-Ausstattung aller deutschen Krankenhäuser. Bei einem totalen Stromausfall wie in den USA würde USV einspringen und sofort alle lebensnotwendigen Maschinen mit Saft aus der Batterie versorgen. Allerdings nur für einen kurzen Moment, denn spätestens 15 Sekunden nach dem Zusammenbruch des öffentlichen Netzes fahren die hausinternen Notstromaggregate bereits volle Leistung. So sieht es das Gesetz vor. Dieselmotoren und Generatoren bilden dann kleine Kraftwerke und übernehmen die gesamte Stromversorgung.
So könnte beispielsweise die Uniklinik Münster über Wochen ohne Strom aus dem öffentlichen Netz auskommen. Ein Drei-Tage-Tank hält dort ausreichend Diesel bereit, um über die ersten Runden zu kommen. Ist genug Dieselkraftstoff verfügbar, können die Notstromaggregate auch mehrere Wochen laufen, versichert Experte Jürgen Broock. Jedes Klinikum muss eine Notfallreserve an Dieselkraftstoff für mindestens 24 Stunden bereithalten. "Die Aggregate werden monatlich mit einem einstündigen Probelauf getestet", so Broock.
Anders als in Krankenhäusern geht es bei der Commerzbank in Frankfurt, im höchsten Bürogebäude Europas, nicht um Leben oder Tod. Hier würden allenfalls ein paar hundert Rechner abstürzen. Die rund 2000 Beschäftigten müssen keinen Stromausfall fürchten. Schon nach wenigen Sekunden würde ein Notstromaggregat den 300 Meter hohen Wolkenkratzer versorgen, Aufzüge würden wieder fahren und auch die Fenster ließen sich wieder öffnen.
Auch auf dem Frankfurter Flughafen müsste schon einiges passieren, damit die Lichter ausgehen. Fraport-Sprecher Jürgen Harrer will diesen Fall zwar nicht ausschließen, hält ihn aber für "höchst unwahrscheinlich". Ein totaler Ausfall wie in den USA, wo drei Flughäfen gesperrt werden mussten, scheint in Rhein-Main schwer vorstellbar; so wird der Airport von zwei unabhängigen Stromunternehmen versorgt. Sollten jedoch beide Versorger gleichzeitig schwächeln, würden 57 dieselbetriebene Generatoren einspringen. Laut Harrer könnten diese von der Landebahnbefeuerung bis zur Rolltreppe genügend Strom liefern.
Selbst einer der größten Stromkonsumenten hierzulande sieht die Ereignisse in den USA eher gelassen: Die Deutsche Bahn AG hält einen totalen Stromausfall auf ihrem Streckennetz für schier unmöglich. Da das Unternehmen selbst Kraftwerke betreibt und darüber hinaus Kunde sämtlicher Energieversorger ist, müsste schon einiges passieren, um die Züge lahm zu legen. "Im Extremfall könnten wir sogar aus dem europäischen Ausland Strom bekommen", so Bahn-Sprecherin Petra Dowdall gegenüber SPIEGEL ONLINE. Sollte dennoch das Netz komplett ausfallen, blieben auch der Bahn nur noch ihre Notstromaggregate. Diese sind in sämtlichen Stellwerken installiert, denn schließlich müssten auch für Dieselloks die Weichen richtig gestellt werden.