Sturmflut: Millionenschäden auf Helgoland - DER SPIEGEL
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Sturmflut Millionenschäden auf Helgoland

Höchste Alarmstufe an den Küsten: Mit mehr als 120 Kilometern pro Stunde zog Orkan "Tilo" über Teile West- und Nordeuropas. Vielerorts herrschte Landunter. Helgolands Bürgermeister rechnet mit Schäden in Millionenhöhe.
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Offenbach - Im Hamburger Hafen wird eine schwere Sturmflut mit Wasserständen bis zu 3,50 Meter über dem mittleren Hochwasser erwartet. Am Nachmittag begannen die Mitarbeiter der Büros in Elbnähe, Computer und Unterlagen in den 1. Stock der Gebäude zu räumen. "Hier steht das Wasser schon fast in der Kantine", sagte Designerin Claudia Stein. "Wir kommen jetzt auch nicht mehr trocken hier raus."

Der Leiter des Sturmflutwarndienstes beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Sylvin Müller-Navarra, sagte: "Nachdem es zunächst in der Nacht so aussah, dass die Sturmflut schwächer ausfallen könnte, scheint nun unsere Prognose doch einzutreffen." Die Deutsche Bucht sei weltweit das am stärksten von Sturmfluten bedrohte Gebiet.

In Deutschland erreichte die Flut zuerst die ostfriesische Insel Borkum. "30 Zentimeter mehr, und wir hätten den Hafen evakuieren müssen", sagte ein Sprecher. Nach Behördenangaben wurden am Mittag in Niedersachsen auf den Inseln 2,5 Meter und in Emden 3,29 Meter über dem mittleren Hochwasser gemessen.

In Emden standen Schilder in den Fluten, das Wasser drückte gegen den kleinen Bahnhof am Hafen. Fährverbindungen zu den niedersächsischen Nordseeinseln wurden teilweise eingestellt. Wegen der erwarteten schweren Sturmflut war das 476 Meter lange Emssperrwerk bei Emden geschlossen worden, um die Überflutung des Hinterlandes zu verhindern.

Die Nordseeinsel Helgoland befürchtet Millionenschäden. "So wie es aussieht, sind am Nordstrand der Düne Hunderttausende Kubikmeter Sand vom Wasser weggerissen worden", sagte Bürgermeister Frank Botter. Seit 30 Jahren sei Helgoland nicht mehr so hart von einer Sturmflut getroffen worden.

In Nordfriesland wurden Fährverbindungen zwischen Sylt und Dänemark gestrichen. Auch die Schiffsverbindungen vom Festland zu den Halligen Hooge und Langeneß waren unterbrochen, weil der Wasserstand an den Molen zu hoch zum An- und Ablegen war. Tief "Tilo" erreichte Windspitzen von 137 Kilometern pro Stunde. Volle Orkanstärke erreichte der Wind über den Alpengipfeln: Die Wetterwarten auf dem Säntis und der Zugspitze registrierten Spitzen von bis zu 133 Kilometern in der Stunde, auf dem Wendelstein wurden sogar 137 gemessen.

An der Nordseeküste mussten sich die Menschen vor Orkanböen mit Höchstgeschwindigkeiten von 119 km/h in List auf Sylt und 126 in Strucklahnungshörn in Sicherheit bringen.

Die Bewohner im Osten Englands wurden nur knapp von schweren Überschwemmungen verschont. Am Morgen stiegen die Pegelstände der Nordsee durch den Sturm zwar gefährlich an, doch blieben sie unter dem Niveau der Schutzwälle. Dennoch wurden mehrere Straßen und Keller überschwemmt.

Viele hatten die Nacht in Notunterkünften verbracht. Sicherheitshalber wurde das Flutwehr der Themse geschlossen. Gary Stubbs, 47, Wirt des Pubs "The Poachers Pocket" im ostenglischen Küstendorf Walcott in der Grafschaft Norfolk, erzählte: "Ich lebe hier seit 13 Jahren, aber das waren die schlimmsten Wellen, die ich je erlebt habe. Das ist halt pure Gewalt der Natur, und es gibt nichts, was sie stoppen kann." In dem Ort beschädigten die Wellen mehrere Häuser.

Die Niederlande hatten erstmals überhaupt das 1997 fertig gestellte Sturmflutwehr vor dem Rotterdamer Hafen wegen des hohen Wasserstandes geschlossen. Die beiden je 210 Meter langen getrennten Flügel des riesigen Bauwerks wurden um Mitternacht in den Schifffahrtsweg geschwenkt. Teile des größten europäischen Hafens sollten bis Freitagabend gesperrt bleiben. Der wirtschaftliche Schaden sei jedoch begrenzt, da bei Sturm ohnehin weniger Schiffe ein- und ausliefen, sagte ein Hafensprecher.

Der Orkan hatte auch Teile der norwegischen Öl- und Gasförderung lahmgelegt. Der Rundfunk in Oslo berichtete, die Produktion sei eingestellt worden, um die Plattformen auf See bei Gefahr zu evakuieren.

Hinter der Kaltfront von Tief "Tilo" sei zugleich "sehr kalte Polarluft" nach Deutschland eingeflossen, sagte DWD-Meteorologe Andreas Friedrich. Oberhalb von 300 bis 500 Metern ist der Niederschlag in den Mittelgebirgen bereits in Schnee übergegangen. Bis zum Morgen fielen auf dem Brocken im Harz 15 Zentimeter Neuschnee, auf dem Kahlen Asten im Sauerland sechs und auf der Wasserkuppe in der Rhön sieben Zentimeter. Über das Wochenende soll es vor allem in den Alpen ergiebige Neuschneefälle geben.

jjc/dpa/ddp/AFP