Sturmtief "Emma": Autofahrer, Urlauber und ein Kind sterben im Orkan - Schäden durch Sturmflut gering - DER SPIEGEL
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Sturmtief "Emma" Autofahrer, Urlauber und ein Kind sterben im Orkan - Schäden durch Sturmflut gering

Das Sturmtief "Emma" hat mindestens neun Menschen in Deutschland, Österreich und Tschechien das Leben gekostet. Zahlreiche Gebäude und Autos wurden beschädigt. Eine schwere Sturmflut richtete allerdings nur wenig Schaden an.
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Hamburg - Böen in Orkanstärke haben in Deutschland mindestens drei Menschen getötet. In Bayern wurde ein 22-Jähriger bei Weßling mit seinem Motorroller von einem Windstoß auf die Gegenfahrbahn gedrückt und prallte auf ein entgegenkommendes Auto, wie die Polizei mitteilte. Er starb noch an der Unfallstelle. Im Westerwald wurde ein 58-Jähriger von einem Baum erschlagen, als er mit drei Kollegen von der Nachtschicht nach Hause fuhr. In Esslingen bei Stuttgart prallte ein 19-Jähriger mit seinem Auto auf einen entgegenkommenden Transporter, als er auf eisglatter Straße seinen Vordermann überholen wollte.

In Österreich und Tschechien starben mindestens sechs Menschen. Zwei der Opfer waren deutschen Urlauber. Ein 79-Jähriger dürfte in Tirol von seinem Wohnwagen erdrückt worden sein, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA heute unter Berufung auf die Polizei berichtete. Ein zweites Opfer wurde im Bezirk Kitzbühel in seinem Auto von einem Baum erschlagen. Auch bei ihm handelt es sich um einen Urlauber, seine Herkunft ist bisher noch nicht bekannt. In Tschechien wurde laut einem Rundfunkbericht ein elfjähriges Mädchen in Libeznice nördlich von Prag von einem Baum erschlagen. Ein Mann kam in Sadska ums Leben, er wurde von umherfliegenden Metallteilen getroffen.

"Emma" ist nach Aussagen des Wetterexperten Jörg Kachelmann nicht mit "Kyrill" zu vergleichen, der im vergangenen Jahr über Deutschland gefegt war. Damals starben 13 Menschen, etwa 50 Millionen Bäume stürzten um. "Die Windspitzen bei 'Emma' waren zwar stärker als bei 'Kyrill', aber örtlich begrenzt", sagte Kachelmann SPIEGEL ONLINE. Bei "Kyrill" habe es hingegen hohe Windstärken auf großer Fläche gegeben. Die höchste Windgeschwindigkeit gab es nach seinen Angaben heute Mittag auf dem Wendelstein in Bayern. Dort wurden 222 km/h gemessen.

Folge der örtlich heftigen Böen: Zahlreiche Gebäude und Autos wurden von umstürzenden Bäumen beschädigt, viele Bahnstrecken mussten wegen blockierter Gleise und zerstörter Oberleitungen gesperrt werden. In Brühl bei Bonn fuhr ein ICE in einen umgestürzten Baum, dabei wurde der Lokführer verletzt. An vielen Flughäfen kam es wegen des starken Windes zudem zu Ausfällen und Verspätungen: Allein in Frankfurt am Main wurden nach Angaben eines Fraport-Sprechers mehr als 70 Flüge abgesagt. In einigen Teilen Deutschlands kam es zu Stromausfällen, viele Keller und Straßen wurden von dem heftigen Regen überflutet.

Schwere Sturmflut

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) hat für den Abend vor einer schweren Sturmflut an der Nordseeküste gewarnt. Das Abendhochwasser an der deutschen Nordseeküste und in Emden sowie das Nachthochwasser in Bremen und Hamburg könnten 2,0 bis 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. "In Hamburg werden sicher einige Straßen unter Wasser stehen", sagte Heike Dreyer vom BSH zu SPIEGEL ONLINE. Die Sturmflut stelle jedoch keine Gefahr für Leib und Leben dar. Ab 1,5 Metern über dem mittleren Hochwasser spricht man von einer Sturmflut, ab 2,5 Metern handelt es sich um eine schwere Sturmflut.

Der Fischmarkt am Hamburger Hafen stand am Samstagabend unter Wasser. Die Polizei sperrte Straßen und ließ einige Fahrzeuge aus überschwemmten Bereichen abschleppen. Die Flutschutztore wurden geschlossen. Das BSH) gab aber am Abend Entwarnung: Der Höchststand von 2,75 Meter über dem mittleren Hochwasser war um 19.30 Uhr erreicht, seitdem lief das Wasser ab.

"Emma"-Windgeschwindigkeiten: Die Top 10

Ort Bundesland Höhe (m) Wind (km/h)
Wendelstein Bayern 1832 222
Zugspitze Bayern 2960 191
Wallberg Bayern 1620 191
Nebelhorn Bayern 2070 163
Feldberg/Schwarzwald Bad.-Württ. 1486 163
Benediktbeuern (Kloster) Bayern 617 156
Hornisgrinde Bad.-Württ. 1160 156
Grosser Arber Bayern 1437 156
Fichtelberg Sachsen 1213 156
Chemnitz Sachsen 418 152
Alle Daten stammen vom 1. März 2008 13.00 Uhr (Ausnahme Wallberg und Hornisgrinde, dort wurde um 12.50 Uhr gemessen), Quelle: unwetterzentrale.de/Meteomedia

Bundesweit gab es teils schwere Gebäudeschäden: Im hessischen Butzbach riss ein heftiger Hagelsturm das Dach eines Flüchtlingsheims vom Gebäude. 30 Bewohner mussten evakuiert und in einer Turnhalle untergebracht werden. Das Wellblechdach war auf einer Länge von 75 Metern rund 20 Meter weit durch die Luft geschleudert worden. Am Flughafen Düsseldorf riss der Sturm auf rund 250 Quadratmetern die Dachabdeckung eines Bürogebäudes herunter.

Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen abgesagt

Bei der Bahn sorgte das Sturmtief vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern für Störungen. Das Unternehmen rief die Bevölkerung vorübergehend auf, auf Reisen mit der Bahn zu verzichten. Vor allem in Nordbayern standen demnach fast alle Züge still. Über Störungen informiert die Bahn unter der Telefonnummer 08000/ 996633 sowie auf dem Internetportal bahn.de.

Auch viele Veranstaltungen wurden wegen des Sturms aus Sicherheitsgründen abgesagt. Das ZDF kündigte an, die für den Abend in Halle an der Saale geplante Stadtwette von "Wetten, dass ...?" voraussichtlich ins Umfeld der Messe zu verlegen. Ein für den Nachmittag geplantes Bundesligaspiel von Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart war komplett abgesagt worden. Eine Demonstration in Dresden gegen die Waldschlösschenbrücke wurde auf Sonntag kommender Woche verlegt. Auch der Damenslalom beim alpinen Ski-Weltcup im niederbayerischen Zwiesel wurde abgesagt.

Sturmschäden: Was Versicherer bezahlen

Im Bistum Würzburg rief das Bischöfliche Bauamt alle Pfarrgemeinden auf, Kirchengebäude und nicht befestigte Figuren vor dem Sturm zu sichern. Auch den Bürgern rieten die Feuerwehren weiter zur Vorsicht: Zwar sei der Sturm zunächst schwächer gewesen als erwartet, Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden, erklärte der Deutsche Feuerwehrverband (DFV).

hda/AP