Sturmtiefs: "Hier ist die Hölle los" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sturmtiefs "Hier ist die Hölle los"

Nach "Gerda" sind weitere Sturmtiefs über Teile Deutschlands hinweggefegt. Das Tief "Hanne" bescherte dem Südwesten besonders viele Niederschläge. In Bremerhaven brachte eine Sturmböe das in Bau befindliche Passagierschiff "Pride of America" in riskante Schräglage. In Frankreich begrub eine Schlammlawine mehrere Häuser einer Ortschaft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stuttgart/Hamburg - Die Schlammlawine ging nahe einem Skiort in der zentralfranzösischen Region Puy-de-Dome ab, hat aber nach Angaben der Behörden niemanden verletzt. Rund 30 Menschen wurden vorsorglich von der Feuerwehr evakuiert.

Die Schlammlawine blockierte die Zugangsstraße zu dem Ort Les Egravats in der Nähe des Skiortes Mont-Dore, wie ein Sprecher des Katastrophenschutzes sagte. Vorsorglich wurden auch Suchteams mit Spürhunden entsandt. Die gestiegenen Temperaturen sowie starke Regenfälle waren vermutlich der Auslöser für den Abgang der Lawine.

Nach stundenlangem Sturzregen wurde im Schwarzwald zunächst Hochwasseralarm ausgelöst, der aber gegen Mitternacht wieder zurückgenommen werden konnte. Überflutungen meldete die Polizei vor allem aus Baden-Baden sowie dem Ortenaukreis und dem Kreis Freudenstadt. Einige Bundesstraßen wurden von Erdrutschen und entwurzelten Bäumen blockiert. Die Wetterdienste befürchteten, dass der Starkregen auch am Mittwoch anhält.

Die Stadt Baden-Baden warnte vor Hochwasser in einigen Stadtteilen. Am Fuße des Schwarzwaldes schwoll die Oos, die normalerweise nur etwa 20 Zentimeter Wasser führt, bis gegen 21 Uhr auf rund 2,12 Meter an. Etwa 30 Menschen wurden in Notquartiere gebracht, weil sie ihre Häuser nicht mehr erreichen konnten. Die Feuerwehr verteilte Sandsäcke. "Hier ist die Hölle los", hieß es bei der Polizei. Am späten Dienstagabend beruhigte sich die Lage nach Angaben eines Sprechers. "Die Pegel stabilisieren sich", hieß es am frühen Mittwochmorgen aus dem Lagezentrum Stuttgart.

In Drochtersen (Niedersachsen) hatte schon am Dienstagnachmittag ein Tornado mindestens sieben Hausdächer abgedeckt. Nach Angaben der Polizei wurde niemand verletzt, es entstand jedoch erheblicher Sachschaden. Der Wirbelsturm sei in nur 25 Sekunden über Drochtersen gefegt, teilte ein Sprecher der Feuerwehr mit. In Stade fiel ein Baum auf eine Fußgängerbrücke. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Das Orkantief "Gerda" wurde gestern von dem Tief "Hanne" abgelöst, das besonders viele Niederschläge brachte. Über den Feldberg im Schwarzwald brausten am gestern Nachmittag neue Orkanböen von bis zu 180 Stundenkilometern hinweg. In einigen Niederungen wurden wiederum Spitzen von mehr als 100 Stundenkilometern gemessen. Am Abend legte sich der Sturm.

Wie die Feuerwehr in Bremerhaven mitteilte, bestand zwischenzeitlich die Gefahr, dass sich das am Pier liegende Schiff "Pride of America" ganz auf die Seite legt. 14 Arbeiter mussten in Sicherheit gebracht werden, drei Männer wurden verletzt im Krankenhaus behandelt. Für die deutsche Nordseeküste gab es eine Sturmflutwarnung.