Sudan Leni Riefenstahl stürzt mit Flugzeug ab
Khartum - Der Pilot von Riefenstahls Maschine habe wegen technischer Probleme im Landesinneren bei El Obeid (rund 350 km südwestlich von Khartum) notlanden wollen, sagten Diplomaten der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Ein deutscher Fotograf und ein sudanesischer Regierungssprecher seien bei dem Absturz ebenfalls verletzt worden. Zurzeit würden Riefenstahl und die anderen Verletzten in einem Krankenhaus in Khartum behandelt. Weitere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Andere Nachrichtenagenturen hatten gemeldet, Riefenstahl sei mit einem Hubschrauber unterwegs gewesen.
Den Angaben zufolge hielt sich Riefenstahl seit zehn Tagen unter dem Pseudonym "Mrs. Jacob" im Sudan auf. Trotz einer Sicherheitswarnung habe sie die Nuba-Bergkette im Landesinneren fotografieren wollen. Dort lebt der Nuba-Stamm, den Riefenstahl mehrfach zwischen 1969-1985 besuchte und den sie in den siebziger Jahren in Fotoreportagen der Magazine "Life" und "Stern" zeigte.
Wie ein ADAC-Sprecher bestätigte, ist ein Ambulanz-Jet des Clubs in den Sudan geflogen, um die Verletzten nach Deutschland zu bringen. Riefenstahl leide zudem an einer Bronchitis. "Das ist in dem Alter schwerwiegend", sagte der Sprecher.
Mitte Februar hatte Riefenstahl der Illustrierten "Bunten" erklärt, sie plane eine Reise in den Sudan, um dort Freunde zu besuchen. Anschließend wolle sie auf die Malediven zum Tauchen fliegen, weil sie nur unter Wasser ihre "fürchterlichen Rückenschmerzen" nicht spüre.
Bekannt wurde die 1902 in Berlin geborene Riefenstahl durch den Auftragsfilm "Triumph des Willens" über den Nürnberger Reichsparteitag der NSDAP und durch ihren Film "Olympia" über die Olympischen Spiele 1936. Ihr Film "Triumph des Willens" wurde von Adolf Hitler insbesondere für Propaganda-Zwecke im Dritten Reich benutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Riefenstahl wegen ihrer Beiträge zur Nazi-Propaganda zunächst für vier Jahre inhaftiert. Sie selbst hatte den Propaganda- Charakter ihrer Dokumentarfilme immer abgestritten und sich dabei auf die Reinheit ihrer ästhetischen Ideale berufen. 1997 erhielt die Filmemacherin unter Applaus und Buh-Rufen zugleich in Los Angeles den Preis der Cinecon-Gruppe für ihr Lebenswerk.