Südasien Nach dem Beben droht die Kältewelle
Islamabad/Neu-Delhi - Im dramatischen Wettlauf mit der Zeit versuchen Hilfsmannschaften, in abgelegene Gebiete der Erdbebenregion in Südasien vorzudringen. Noch immer haben Hilfslieferungen zahlreiche Überlebende des verheerenden Erdstoßes vom Samstag nicht erreicht. Zugleich wurde mit jeder Stunde die Chance geringer, noch Überlebende unter den Trümmern zu finden. Unterdessen stieg die Gefahr eines Ausbruchs von Seuchen.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wird heute und morgen zwei Hilfsflüge mit insgesamt 40 Tonnen Gütern in die Krisenregion entsenden. Gleichzeitig beginnt die Nato mit einer Luftbrücke. Unterdessen verdoppelte die Weltbank ihre Soforthilfe für Pakistan auf 40 Millionen Dollar (33,4 Millionen Euro). Auch die USA und die Nato haben weitere Unterstützung zugesagt. Das US-Militär werde in den kommenden Wochen etwa 40 Hubschrauber in Pakistan einsetzen, kündigte der für die Region zuständige General John Abizaid gestern an. Eines der größten Probleme nach dem Erdbeben ist, die Opfer in den oft sehr abgelegenen Orten zu erreichen. In Brüssel einigten sich die Botschafter der Nato-Mitgliedsländer darauf, mit Flugzeugen vom Typ Boeing 707 Hilfsgüter nach Pakistan zu bringen. Die erste Maschine mit einer Ladung von 7,5 Tonnen soll heute starten, teilte eine Sprecherin des Militärbündnisses mit.
Das Leid von Millionen Hilfsbedürftigen war gestern verlängert worden, weil wegen Unwettern Hilfsflüge ausgesetzt worden waren. Schon bald könnte eine Kältewelle über die Region hereinbrechen. Nach Schätzungen kamen in Pakistan bei dem Beben der Stärke 7,7 mehr als 41.000 Menschen ums Leben. Innenminister Aftab Ahmed Sherpao bestätigte gestern mindestens 33.000 Tote. Der Erdstoß hatte weite Landstriche im Norden Pakistans und Indiens verwüstet. Millionen Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf.
Im indischen Teil Kaschmirs stieg die Zahl der offiziell bestätigten Erdbebenopfer auf 1300. Der indische Premierminister Manmohan Singh kündigte bei einem Besuch der Katastrophenregion ein Hilfspaket von umgerechnet mehr als 900 Millionen Euro an.
Dramatisch blieb die Lage im weitgehend zerstörten Muzaffarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils Kaschmirs. Unter den Trümmern wurden noch Tausende Tote vermutet. Verzweifelte Menschen gruben mit bloßen Händen nach Angehörigen. In der Luft lag Verwesungsgeruch. Der private Fernsehsender Geo TV berichtete, Ärzte warnten vor Seuchen. In der Stadt träfen jedoch immer mehr Hilfslieferungen ein. Aus den Trümmern einer eingestürzten Schule seien zwölf Schüler gerettet worden. Helfer hätten zudem vier Menschen aus zerstörten Häusern geborgen. Weiterhin gebe es weder Wasser noch Strom.
Angesichts der Katastrophe verdoppelte die Weltbank gestern ihre Soforthilfe auf 40 Millionen Dollar. Jetzt gehe es darum, der pakistanischen Regierung schnell Mittel zur Verfügung zu stellen, die in den Aufbau von Notunterkünften, zum Kauf von Brennstoff für den bevorstehenden Winter und in den Lebensunterhalt der Menschen in den betroffenen Gebieten fließen können, sagte Praful Patel, Vizepräsident der Weltbank für Südasien.