Südfrankreich Regenfluten fordern mindestens 23 Todesopfer
Nîmes - Durch die heftigen Gewitterregen mit Hagelschauern und Sturmböen, die am Sonntag begonnen hatten, wurden ganze Ortschaften überflutet. Brücken wurden zerstört und große Straßenabschnitte weggeschwemmt. Nach Angaben des nationalen Wetterdienstes Météo France waren in der südfranzösischen Region um das Rhône-Tal seit Sonntagmittag stellenweise bis zu 600 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das ist mehr als doppelt so viel wie während der schweren Regenflut im Erzgebirge niedergegangen sind. In der Ortschaft Anduze sollen es sogar 650 Liter gewesen sein - das entspricht der Niederschlagsmenge eines ganzen Jahres in Paris.
Südwestlich von Avignon brachen kurz nach Mitternacht zwei Deiche der Rhône. Die Kleinstädte Aramont und Comps wurden fast vollständig überflutet. Die Feuerwehr brachte Bewohner eines Altersheims in Aramont in Sicherheit. "Am Anfang habe ich es gar nicht glauben können, doch dann stieg das Wasser innerhalb von zwei Stunden auf drei Meter", berichtete ein Bewohner.
Mehr als 1300 Feuerwehrleute und Hilfskräfte sowie 735 Militärs waren rund um die Uhr im Einsatz. Soldaten retteten nach Angaben des Verteidigungsministeriums bis zum Morgen 1100 Menschen per Hubschrauber aus den Notstandsgebieten.
In der Unwetter-Regionen mussten am Montagabend rund 100 000 Haushalte ohne Strom auskommen. Am Dienstagmittag waren es noch 60 000. Rund 150 000 Menschen hatten keine Telefonverbindungen, weil die Leitungen unterbrochen waren. Tausende verbrachten die Nacht in Notunterkünften. Auch das Straßen- und Schienennetz war am Dienstag noch weitgehend blockiert.
Mit dem wiederkehrenden Sonnenschein am Dienstag sanken die Wasserstände schnell. Die Fluten hinterließen eine Schlammwüste, in der die Feuerwehr weitere Opfer fand. In dem am schwersten betroffenen Departement Gard bargen Rettungskräfte nochmals elf Leichen.
Meteorologen erklärten die Unwetter mit der besonderen geographischen Lage der Katastrophenregion zwischen Mittelmeer und dem Gebirgszug der Cevennen. Wolken hätten sich über dem noch warmen Mittelmeer mit Feuchtigkeit vollgesogen und seien vom Südwind gegen die Cevennen gedrückt worden, erklärte Patrick Galois von Meteo France in der Zeitung "Le Parisien". Die Berge hätten die Wolken blockiert, die dann stark abgeregnet hätten. Dieses Wetterphänomen werde "Cevenol" genannt. "Die außerordentlichen Unwetter entstehen sehr oft zum Herbstanfang", so Galois. "Die heftigen Regenfälle können dann aber von den ausgetrockneten Böden noch nicht aufgenommen werden."
Premierminister Jean-Pierre Raffarin besuchte mit Innenminister Nicolas Sarkozy die Kleinstädte Sommières und Villevieille. Bei einem Flug über die überfluteten Gebiete informierte er sich über das Ausmaß der Katastrophe und sagte eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro zu. Die Überflutungen seien "ein menschliches, soziales und wirtschaftliches Drama", so Raffarin.