Südkorea Inferno in der U-Bahn über 130 Tote
Daegu - Die Bestimmung der genauen Zahl der Toten sei schwierig, weil viele Leichen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt seien, teilten die Sicherheitskräfte mit. Die Zahl der Vermissten schwankt zwischen 59 und 99. Die Bergungsarbeiten dauern weiter an.
Nach Angaben der Rettungsmannschaften starben die meisten Opfer durch das Einatmen giftiger Rauchgase. Die Polizei nahm einen 56-jährigen Tatverdächtigen fest, der wegen einer Geisteskrankheit behandelt worden war. Die möglichen Motive sind noch unklar. Die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete jedoch unter Berufung auf die Ermittler, dass der Mann wiederholt vor Familienangehörigen einen Anschlag auf das Krankenhaus angekündigt habe, in dem er behandelt worden war.
Augenzeugen berichteten, dass der Mann einen mit leicht entzündlicher Flüssigkeit gefüllten Plastikbehälter in einen Waggon geworfen habe. Passagiere hätten noch versucht ihn daran zu hindern, den Behälter anzuzünden, sagten Augenzeugen dem Sender YTN. "Der Mann ließ das Feuerzeug fallen und der Zug fing Feuer", sagte einer der Fahrgäste.
Der Brand brach während der Fahrt aus, als sich der Zug dem zentralen Umsteigbahnhof von Daegu näherte. Nach Berichten von YTN waren zum Zeitpunkt der Katastrophe etwa 600 Fahrgäste in dem Zug. Etwa zwölf Waggons hätten Feuer gefangen, hieß es. Die Unglücksstelle lag im dichten Rauch. Nach offiziellen Angaben wurde das Feuer inzwischen gelöscht. Helfer trugen Menschen auf den Rücken und auf Tragen aus dem U-Bahnschacht. Die giftigen Rauchgase erschwerten jedoch die Bergungsarbeiten. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser eingeliefert, wie Polizeisprecher Kim Byong-Hak sagte. Über ihren Zustand ist nichts bekannt. Der gesamte U-Bahn-Bereich wurde gesperrt. Auch der Straßenverkehr kam teilweise zum Erliegen, weil Krankenwagen die Straßen verstopften.
Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung wies den Innenminister an, zu überprüfen, ob die Unglücksstelle zu einem Sonderkatastrophengebiet erklärt werden könne. Die Maßnahme würde zu finanziellen Hilfen und Steuererleichterungen für die betroffenen Menschen führen.
Daegu ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Südkoreas und liegt etwa 300 Kilometer südöstlich der Haupstadt Seoul. Daegu war einer der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr, ist der Standort Nummer eins der südkoreanischen Textilindustrie und gilt mit einem üppigen Warenangebot auch als Modezentrum des Landes. Die Stadt hat nur eine U-Bahn-Linie, die durch das Zentrum führt.