Südsudan Eine Viertelmillion Kinder vom Hungertod bedroht
Flüchtlinge stehen fürs World-Food-Programm an: Tausenden droht Hungersnot
Foto: DENIS DUMO/ REUTERS"Jedes dritte Kind ist ernsthaft unterernährt und 250.000 sind vom Hungertod bedroht", heißt es in einem am Dienstag in der Hauptstadt Juba veröffentlichten Bericht des Uno-Koordinators für humanitäre Hilfe im Südsudan, Toby Lanzer.
"Vor sechs Monaten haben wir gedacht, die Gewalt und das Leiden haben einen Höhepunkt erreicht und dass der Frieden kommt. Wir haben uns getäuscht", schreibt Lanzer. Die Unnachgiebigkeit der Konfliktparteien rücke einen Frieden in weite Ferne, "der Krieg geht weiter und ist dabei, zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu führen".
Seit der Loslösung vom Sudan im Jahr 2011 kämpfen im Südsudan rivalisierende bewaffnete Gruppen. Ende 2013 mündete der Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar in einen Bürgerkrieg. Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien scheiterten bislang. Laut Uno-Angaben wurden in dem Konflikt bereits Zehntausende Menschen getötet.
Bei den jüngsten Kämpfen wurden in großem Umfang Häuser in Brand gesteckt, Schulen und Krankenhäuser zerstört, wurde massenhaft Vieh gestohlen und die Infrastruktur etwa zur Trinkwasserversorgung vernichtet, heißt es in dem Bericht. Die verfeindeten Gruppen gäben sich "keine erkennbare Mühe, zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden". Außerdem seien in dem Bürgerkrieg bereits mehr als ein Dutzend Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet sowie Hilfskonvois überfallen worden. Die Täter kämen ungestraft davon.
Uno-Koordinator Lanzer war erst vor Kurzem aus dem Südsudan ausgewiesen worden. Die Regierung in Juba begründete dies damit, dass der britische Diplomat mit einer Warnung vor einem Zusammenbruch des Landes zu weit gegangen sei.
Das Uno-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) erklärte, man brauche umgerechnet 1,45 Milliarden Euro, um die Versorgung der bedürftigen Bevölkerung im Südsudan zu garantieren. Insgesamt sind hier zwei Drittel der zwölf Millionen Einwohner auf Hilfe angewiesen. 4,6 Millionen von ihnen seien von schwerer Unterernährung bedroht.
Die USA sagten am Dienstag den Menschen im Südsudan Hilfen mit einem Umfang von 113 Millionen Dollar zu. Zugleich rief das Außenministerium in Washington alle Konfliktparteien auf, die sinnlose Gewalt sofort zu beenden.