Zyklon in Indien: Angst vor "Phailin"
"Phailin" Super-Zyklon trifft auf Indiens Ostküste
Der Zyklon mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern in der Stunde traf am Samstagabend die Küste rund um die Stadt Gopalpur im Bundesstaat Orissa - wie vom meteorologischen Institut Indiens vorhergesagt. Nach Behördenangaben riss der Sturm viele Bäume um und beschädigte Stromleitungen.
In der Region war es zuvor schon zu starken Regenfällen gekommen. Nach Angaben der Behörden waren fünf Menschen umgekommen. Vier von ihnen waren von Bäumen erschlagen worden, das fünfte Opfer starb unter den Trümmern seines Lehmziegelhauses - und das war noch, bevor der Sturm selbst das Land erreichte.
Experten des Meteorologischen Institut Indiens stuften "Phailin" als "sehr stark" ein. Der Sturm habe einen Durchmesser von 500 Kilometern und könne großen Schaden anrichten, sagte ein Sprecher voraus. Vor allem die Küste sei gefährdet: Eine Sturmflut von bis zu dreieinhalb Metern Höhe wurde befürchtet. "Phailin" sei der stärkste Sturm, der Indien seit dem Jahr 1999 heimsuche. Damals kamen bei einem sogenannten Super-Zyklon in Orissa 15.000 Menschen ums Leben.
"Es werden deutlich weniger Menschen umkommen"
Seit 1999 habe man allerdings eine Menge dazugelernt, sagte G. Padmanabhan vom Uno-Entwicklungshilfeprogramm (UNDP). Zwar könnte es schwere Sachschäden geben, und auch die Ernte sei betroffen. "Es werden aber deutlich weniger Menschen umkommen", sagte er voraus. Das Joint Typhoon Warning Centre der US-Marine erklärte in einer aktuellen Meldung, das Tiefdruckzentrum von "Phailin" werde sich nach Erreichen des Festlands vergleichsweise schnell auflösen.
Die indischen Behörden hatten versucht, rund eine halbe Million Menschen in Orissa vor dem Wirbelsturm in Sicherzeit zu bringen - ins teils massiv überfüllte Schutzräume. Auch im Bundesstaat Andhra Pradesh mussten Zehntausende Bewohner ihre Häuser verlassen. Der Katastrophenschutz sprach von einer der größten Evakuierungen in der Geschichte Indiens. Die Armee wurde in beiden Bundesstaaten in Bereitschaft versetzt.
Insgesamt seien voraussichtlich etwa zwölf Millionen Menschen von den Auswirkungen des Wirbelsturms betroffen, erklärten die Behörden. Dank der Evakuierungen könne der Verlust von Menschenleben minimiert werden, sagte der Chef der nationalen Katastrophenbehörde, Shashidar Reddy. Doch Schäden an Gebäuden, dem Strom-, Straßen- und Schienennetz sowie in der Landwirtschaft seien nicht zu verhindern.