Superstar-Autogrammstunde Daniels weiche Lippen und wilde Drängeleien
Hamburg - Es hatte eine dieser üblichen Autogrammstunden werden sollen. Die Fans stehen brav in der Schlange, kreischen, wenn sich einer der Stars blicken lässt, und drängeln auch mal ein bisschen - schließlich will jeder seinem Idol so nah wie möglich sein. Doch viele Fans, zumeist Kinder und Jugendliche, wurden gar nicht erst in die Springer-Passage hereingelassen. Während die Polizei von 750 Fans ausgeht, sprach der Springer-Verlag von rund 1200 Autogrammjägern.
Von hinten drückte die Menge nach und quetschte die, die vorn standen, an die Absperrung. Nach Angaben der Polizei mussten 13 Menschen kurzfristig von einem Rettungsdienst behandelt werden. 12 der Jugendlichen wurden mit Kreislaufbeschwerden an Ort und Stelle versorgt. Ein Teenager wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht, ist inzwischen aber auch wieder entlassen, sagte Polizeisprecher Ralf Kunz gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Wer sich nicht ganz so weit nach vor gewagt hatte, dem blieb ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit. Dem 22 Jahre alten Robert Beutel zum Beispiel. Der sprang unentwegt mit einem Plakat auf und ab: "Daniel, ich will ein Kind von Dir!" war da zu lesen. Ganz ernst meine er das nicht, sagte der Amerikanistikstudent und grinste. Bundeskanzler könne er nach diesem Auftritt sicher nicht mehr werden.
Unterdessen gaben die Superstars in aller Gemütsruhe Autogramme, nahmen sich Zeit für ein Pläuschchen, bekamen vom Trubel auf der Straße gar nichts mit. Immerhin hatten es einige Fans in die Passage bis zur Absperrung geschafft, hinter der die drei Stars samt Produzent Dieter Bohlen an einem Tisch hockten und fleißig "Für Anna", "Für Marie" und "Von Dieter für Dieter" aufs Hochglanzpapier kritzelten.
Daniel beglückte die 15-jährige Katharina mit einem Küsschen in den Mundwinkel. "Der hat ganz weiche Lippen", hauchte sie verzückt. Juliette war nett zu allen, lächelte ein bezauberndes Lächeln, strich sich die Haare zurück. Alexander schrieb ein "Bussi von Alexander" auf die Tasche der zwölfjährigen Joanna, die daraufhin vor Glück beinahe weinte. "Er war total süß mir gegenüber. Das war so süß, als er seinen Stift genommen hat, oh Gott!" Ein bisschen verliebt sei sie in ihn, aber nur ein bisschen.
Mit dem Verliebtsein ist Joanna bei weitem nicht allein. Eine Jugendliche kreischte hinter Mädchenschwarm Alexander her: "Wann sehen wir uns wieder? Können wir uns nicht mal treffen?" Und, schon ganz der Promi, zog sich Alex elegant aus der Affäre: "Ich ruf dich an", sagte er dem verdutzten Mädel im Vorbeigehen.
Schließlich öffneten die Sicherheitsleute die Türen doch noch. Eine Menschenmenge strömte kreischend in die Passage - stockte dann ungläubig. Beim Blick auf die leeren Sitze dämmerte es den Fans. "Eure Superstars!" stand drüber. Doch das war einmal, zwei Minuten zuvor waren Daniel, Juliette und Alexander aus dem Gebäude geschleust worden. "Die sind schon weg", rief ein Mädchen und ließ den Autogrammblock sinken. "Toll, das war's. Das ist ja richtig asozial."