Taiwan Schwulen-Parade für das Recht auf Ehe
Taipeh - Wenn Schwule politisch demonstrieren, dann hat das immer ein bisschen Karneval-Charakter. Am Samstagmorgen gingen in Taiwans Hauptstadt Taipeh tausende Homosexuelle auf die Straße, um für die Anerkennung ihres Lebensstils und das Recht zu heiraten zu demonstrieren. Vor der Chiang-Kai-Shek-Gedenkhalle im Zentrum der Hauptstadt tanzten am Morgen 3000 mit Federboas und Bikinis kostümierte Menschen.
Anschließend setzte sich der Zug zum Red Playhouse in Bewegung, einem restaurierten Backsteingebäude im Vergnügungsviertel Taipehs. Im Rahmen eines Solidaritäts-Konzertes äußerten mehrere Politiker in Reden ihre Unterstützung für die Anliegen der Homosexuellen. In Taiwan sind gleichgeschlechtliche Verbindungen gesetzwidrig - und rund um den Globus ein heiß diskutiertes Thema.
Taipeh: Schwulendemo in Taiwans Hauptstadt
So soll die scharfe Debatte um das Thema Homo-Ehe Analysten zufolge einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl gehabt habe: positiv für Bush, negativ für Kerry.
Auch innerhalb von John Kerrys Partei ist das Thema heiß umstritten: Selbst Senatoren und Funktionäre, die das Recht auf die Schwulenehe prinzipiell unterstützen, sind unglücklich darüber, wie es den Republikanern zuletzt gelang, das Thema emotional aufzuheizen. Spektakulär inszenierte, von Politikern der Demokraten demonstrativ unterstützte Schwulen-Hochzeiten, die in den letzten Wochen in San Francisco zelebriert wurden, hätten den Republikanern Angriffspunkte für den Wahlkampf geliefert.
Eine These, die nicht nur von Diane Feinstein, der demokratischen Senatorin für Kalifornien, sondern auch von Barney Frank, einem offen schwul lebenden Kongressabgeordneten, vertreten wird: "Ich glaube," sagte Feinstein auf einer Pressekonferenz in San Francisco, "dass das ganze Thema die Menschen überforderte, zu schnell und zu früh für sie aufgebracht wurde, dass die Menschen einfach noch nicht bereit dafür sind."
Heftige Kritik an Feinstein übten US-Amerikanische Homosexuellenverbände. Kate Kendall vom National Centre for Lesbian Rights: "Senatorin Feinstein sollte sich schämen, die primitivste und seichteste Erklärung für das schlechte Ergebnis heranzuziehen."
In Kanada, dem nördlichen Nachbar der Vereinigten Staaten, beginnt die Stimmung gegen die Schwulenehe dagegen langsam zu kippen. Am späten Freitag entschied ein Berufungsgericht der Provinz Saskatchewan, dass es Sache örtlicher Behörden und keine Sache föderalen Rechtes sei, gleichgeschlechtliche Ehene anzuerkennen. Saskatchewan ist damit die siebte Provinz Kanadas, die Homoehen zumindest toleriert.