Tanker-Havarie 200 Kilometer Küste sind verschmutzt
La Coruña - An der galicischen Küste kämpften Helfer mit schwimmenden Barrieren und Spezialpumpen vergeblich gegen die Ölpest an. Sie entdeckten Dutzende von ölverschmierten Seevögeln, darunter Kormorane, Tölpel und Möwen. Die Fischer verlangten, die Gegend zum Katastrophengebiet zu erklären.
Die spanischen Behörden untersagten am Sonntag im Küstengebiet zwischen dem Kap Finisterra und der Hafenstadt La Coruña jegliche Fischerei. Von dem Fangverbot waren über 700 Krabbenfischer und Muschelzüchter betroffen. An manchen Stellen war der zähflüssige Ölschlamm bis zu 40 Zentimeter dick.
Der Tanker verlor am Sonntag offenbar kein Öl mehr. "Die gute Nachricht ist, dass möglicherweise alles Öl angeschwemmt wurde, was angeschwemmt werden konnte", sagte der galicische Fischereiminister Enrique López Veiga. Sein Madrider Amtskollege Miguel Arias Cañete ergänzte, der Tanker sei inzwischen weit genug vom Festland entfernt sodass eine Umweltkatastrophe auszuschließen sei. Dem widersprachen jedoch die Fischer und Umweltschützer. Der WWF sprach von einem Desaster und warnte davor, dass dem artenreichen Meeresgebiet eine chronische Vergiftung drohe. Durch ein Leck waren 3000 bis 5000 Tonnen Öl aus dem Tanker ins Meer geströmt.
Der Tanker mit über 70.000 Tonnen Öl an Bord wurde inzwischen von vier Schleppern weiter auf das offene Meer hinausgezogen. Das altersschwache Schiff war von der Besatzung aufgegeben worden und wies einen 50 Meter langen Riss im Rumpf auf. Die Abdeckungen der Tanks waren teilweise weggerissen worden. Die spanische Regierung wies allerdings Befürchtungen zurück, wonach ein Auseinanderbrechen und Sinken des Tankers unmittelbar bevorstünde.
Der Rumpf des Schiffes sei insgesamt noch ziemlich fest, sagte der Regierungsdelegierte Arsenio Fernández de Mesa. Experten warnten allerdings davor, dass früher oder später ein Zerbrechen des 243 Meter langen und 26 Jahre alten Tankers unvermeidbar sei. Die "Prestige" befand sich am Sonntag über 70 Seemeilen (130 Kilometer) von der Küste entfernt. Ein starker Wind hatte ihn am Vortag bis auf 55 Seemeilen auf das Festland getrieben, aber dann gedreht und die Arbeit der Schlepper erleichtert.
Die griechischen Schiffseigner hatten niederländische Spezialisten damit beauftragt, das Öl aus dem Tanker abzupumpen. Die spanische Regierung untersagte dies jedoch. Erst wenn die "Prestige" wenigstens 120 Seemeilen von der Küste entfernt sei, könne die Ladung auf andere Schiffe umgepumpt werden, sagte der Regierungsdelegierte. Es sei verständlich, dass die Reederei die auf einen Wert von 60 Millionen Euro geschätzte Öl-Ladung retten wolle. "Wir müssen aber an erster Stelle an die Interessen der Galicier und der Fischer denken."
Auf hoher See könnten die bei einem Sinken des Tankers entstehenden Schäden eher in Grenzen gehalten werden. Das Meer sei dort 4000 Meter tief. Das Schweröl verfestige sich im kalten Wasser und sinke zu Boden. Dennoch forderte Madrid von der Versicherungsfirma des Tankers eine Bankbürgschaft von 60 Millionen Euro, um etwaige Schäden abzusichern.
Der griechische Kapitän des unter der Fahne der Bahamas fahrenden Schiffes wurde nach seiner Festnahme dem Haftrichter vorgeführt. Die Justiz wirft ihm Umweltverbrechen und mutwillige Behinderung der Bergungsarbeiten vor. So habe er sich zunächst geweigert, nach der Havarie am Mittwoch die Motoren wieder anzuwerfen und ein Feuer im Maschinenraum vorgetäuscht.
Das Tankerunglück drohte zudem zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Spanien und Großbritannien zu führen. Madrid beharrte darauf, dass das Schiff mehrmals den Hafen der britischen Kolonie Gibraltar angelaufen habe, dort aber entgegen der in Europa gängigen Praxis nicht überprüft worden sei. Die britischen Behörden wiesen dies kategorisch zurück. Die "Prestige" habe sich auf dem Weg nach Singapur befunden, ein Stopp in Gibraltar sei nicht vorgesehen gewesen.