Tankzugunfall Öl bedroht Moskaus Trinkwasserversorgung
Moskau - Die Situation sei "extrem ernst", erklärte laut der Nachrichtenagentur Interfax der stellvertretende Leiter der russischen Umweltkontrollbehörde, Oleg Mitwol. Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu spielte die Gefahr hingegen herunter. Die Situation sei normal, zwölf Labore überwachten die Wasser- und Bodenqualität, sagte er im russischen Fernsehen. Zugleich kritisierte er alle Regierungsbeamten, die sich zu dem Unglück geäußert hatten.
Der mit Öl des britisch-russischen Konzerns TNK-BP beladene Güterzug war am Mittwoch rund 200 Kilometer westlich von Moskau entgleist. Über die Menge des ausgelaufenen Heizöls gab es unterschiedliche Angaben. Bis zu 700 Tonnen Heizöl könnten aus den Tankwagen ausgelaufen sein, sagte Pawel Plat, ein hoher Beamter des Katastrophenschutzministeriums am Unglücksort dem Fernsehsender NTV, andere Beamte sprachen lediglich von 60 Tonnen.
Mitwol sprach vom "größten ökologischen Unfall der letzten Jahre" im Zentrum des Landes. Wenn nicht schnellstmöglich Reinigungsmaßnahmen ergriffen würden, könne es in Moskau zu Versorgungsproblemen mit Trinkwasser kommen, warnte der Regierungsvertreter. Auf den Wiesen rund um die Unfallstelle stehe das Öl rund 40 Zentimeter hoch. Die Erde sei dort sehr nass, weshalb das Öl bis ins Grundwasser vordringe. Heizöl sei auch in einen nahe gelegenen Zufluss der Wolga geflossen, sagte der Beamte weiter. Es ströme nun flussabwärts in Richtung Moskau. Zwar fließt die Wolga nicht direkt durch die Hauptstadt, sie speist aber die Trinkwasserreservoirs der Zehn-Millionen-Metropole.
Konfuse Rettungskräfte
Die Situation an der Unfallstelle sei konfus und die Notfallkräfte seien viel zu schlecht ausgerüstet, erklärte Mitwol. Die Mitarbeiter der staatlichen Bahngesellschaft würden sich damit begnügen, die Gleise zu reparieren und Kies auf das ausgelaufene Öl zu schütten. Die einzige Pumpe zum Absaugen des Öls sei defekt. Zwar seien fünf Lastwagen mit Reinigungschemikalien unterwegs zur Unfallstelle, für eine wirksame Behandlung seien aber zehnmal so große Mengen nötig. Mangel herrsche auch an schwimmenden Absperrbarrieren, die das Öl im Wasser aufhalten könnten.
Schoigu hingegen sagte, nur in der ersten Stunde nach dem Unfall sei Öl in den Wolgazufluss Wasusa geflossen. Drei Ministerien koordinierten die Aufräumarbeiten. Er verwarnte die Regierungsbeamten, die sich gegenüber der Presse geäußert hatten. Schoigus Sprecher Viktor Beltsow sagte, das Öl sei nicht in die Wolga gelangt. Nach bisherigen Erkenntnissen entgleiste der Zug, weil die Gleise auf einem extrem durchnässten Streckenabschnitt unter den insgesamt 26 schweren Waggons wegsackten.