Tausende Geiseln frei: Gefängnisrevolte in Brasilien beendet - DER SPIEGEL
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Tausende Geiseln frei Gefängnisrevolte in Brasilien beendet

Nach eineinhalb Tagen ist die bislang größte Gefangenenrevolte in Brasilien zu Ende. 27.000 Häftlinge hatten sich daran beteiligt und an die 7000 Geiseln genommen.
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São Paulo - Nach rund 30 Stunden war der Aufstand am Montag vorbei. Die Lage sei in allen 29 von den Aufständen betroffenen Zuchthäusern des Bundeslandes São Paulo wieder völlig unter Kontrolle, teilte das Ministerium für Öffentliche Sicherheit in der Hauptstadt mit. Alle Geiseln - Medien sprachen von von bis zu 7000 - seien auf freien Fuß gesetzt worden.

Die Meuterer reagierten nach inoffiziellen Medienangaben auf ein Ultimatum der Sicherheitsbehörden, die mit einer Erstürmung der Anstalten gedroht haben sollen. Zu den Verhandlungen mit den Anführern der Revolte sagte der regionale Sicherheitsminister Marco Petrelluzzi lediglich, man sei auf deren Forderungen nicht eingegangen

Nun sollen Wachpersonal und Polizei alle Zellen durchsuchen. Bei den Revolten wurden nach amtlichen Angaben mindestens zwölf Menschen getötet. Insgesamt sollen sich 27.000 Häftlinge an der Revolte beteiligt haben.

Begonnen hatte die Revolte am Besuchs-Sonntag. Besonders dramatisch war die Situation in der Anstalt Carandiru in der Metropole São Paulo. Allein dort wurden 5000 Menschen von 8000 Insassen als Geiseln festgehalten. Zu den zwölf Todesopfern in Carandiru kam es bei Zusammenstößen zwischen den Insassen, aber auch bei Schießereien zwischen Häftlingen und der Polizei.

Protest gegen Gefangenen-Verlegung

Drahtzieher der Revolte war nach Angaben Petrelluzzis eine kriminelle Organisation mit dem Namen "Erstes Kommando der Hauptstadt" (PCC). Diese wollte mit der Aktion gegen die Verlegung von zehn ihrer Anführer protestieren, die am Freitag vom Carandiru-Gefängnis in andere Haftanstalten gebracht worden seien.

Mit der Verlegung sollte verhindert werden, dass die Bandenchefs weiterhin von ihren Zellen aus kriminelle Organisationen steuern können. Dass die Revolten von Gefängnis zu Gefängnis abgesprochen werden konnten, zeugt nach Angaben des Ministers von der Macht der hinter Gittern sitzenden Mafiachefs.

In Brasilien kommt es immer wieder zu Gefängnisrevolten. Die Haftanstalten sind überfüllt und in schlechtem Zustand. Eine Kommission des Kongresses hatte das Gefängnissystem kürzlich als "Neuerfindung der Hölle" bezeichnet.