Tequila-Boom: In Mexiko grassiert der Agaven-Klau - DER SPIEGEL
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Tequila-Boom In Mexiko grassiert der Agaven-Klau

Pur oder in Longdrinks: Tequila, der beliebte Schnaps, boomt weltweit. Genau das hat die Preise für den Rohstoff rapide ansteigen lassen. In Mexiko treiben immer mehr Agavendiebe ihr Unwesen.
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Mexiko-Stadt - Besonders im Bundesstaat Jalisco, dem Hauptanbaugebiet der blauen Agave, klauen Diebe den Rohstoff für den weltberühmten Tequila. Mit den Agavenherzen, die wie große Ananas aussehen, lässt sich bei einem Kilopreis von 14 Pesos (2,90 Mark) ein gutes Geschäft machen.

"Einen Lastwagen mit Agaven zu stehlen kann mehr einbringen als ein Banküberfall, je nach Menge bis zu 50.000 Pesos", berichtet Antonio Ceja Mercado vom TV-Sender Azteca in Guadalajara. "Nachts kommen sie mit ihren Pick-ups und klauen wie die Raben", klagt der Destillerie- und Plantagenbesitzer Don Felipe.

Einige Agavenbauern heuerten deshalb bewaffnete Wachdienste für ihre großen Anbaugebiete an, und die Stadt Tequila stellte zehn Polizeibeamte für den 24-Stunden-Dienst ab, um den Agavendieben das Handwerk zu legen. Die Polizei registrierte in diesem Jahr bereits 60 Anzeigen über gestohlene Agavenpflanzen und brachte 20 Strauchdiebe - davon zwei Soldaten - hinter Schloss und Riegel.

Doch nicht alle Bauern haben Grund zum Klagen. Als Mitte der neunziger Jahre der weltweite Tequila-Boom begann, erhöhte sich die Anzahl der Destillerien, und die Tequila-Produktion verdoppelte sich auf 190 Millionen Liter (1999). Doch die Agaven wuchsen nicht so schnell nach, denn eine Pflanze braucht ungefähr acht Jahre bis zur Fruchtreife. Die "Agave Tequilana Weber", so der Fachname, wurde so teuer, dass einige Agavenbauern über Nacht reich wurden. "Das ist wie ein Lotteriegewinn", freut sich der 75-jährige Francisco Mireles, der die Tequila-Kakteen seit 20 Jahren anbaut. Er hatte nicht wie viele andere Bauern seinen Anbau auf Bohnen und Getreide umgestellt, als es Agaven im Überfluss gab und der Preis verfiel.