Terror-Attacken "Wir sind heute besser gewappnet"
Berlin - Käme es in Deutschland zu einer Attacke mit Pockenviren - genügend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung wäre vorhanden. Zu Beginn einer internationalen Tagung zum Kampf gegen Bioterrorismus haben dies Experten des Gesundheitsministeriums mitgeteilt. Die Anschaffung einer ausreichenden Menge von Impfdosen für rund 80 Millionen Menschen sei abgeschlossen. Der rund 200 Millionen Euro teure Impfstoff werde an geheimen Orten gelagert und sei blitzschnell einsetzbar.
Deutschland glaubt sich gut zwei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September und den Milzbrand-Attacken besser gerüstet gegen terroristische Angriffe mit Krankheitserregern oder Chemikalien. Entwarnung könne man aber nicht geben, erklärte das Gesundheitsministerium zum Auftakt der Tagung in Berlin. Dort beraten Beamte und Minister aus den G-7-Ländern und Mexiko über eine weitere Verbesserung der Zusammenarbeit.
Die acht Länder hatten sich im November 2001 unter dem Eindruck der Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon sowie der ersten Milzbrand-Briefe zur Global Health Security Initiative zusammengetan. Seither suchen sie nach einer gemeinsamen Strategie gegen die schwer abzuschätzende terroristische Bedrohung durch Viren, Bakterien, Chemikalien und radioaktive Strahlung.
Mehr Sorgen als die Pockenviren machen den Experten derzeit aber der Rest des "dreckigen Dutzends" von Viren und Bakterien, die in den Händen von Terroristen zu einer gefährlichen Bedrohung werden könnten. Gegen die meisten dieser Gefahrenstoffe gebe es keine oder nur sehr gefährliche Impfstoffe, sagte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer.
Dennoch glaubt auch Löwer, dass es heute leichter wäre, auf eine Terror-Attacke zu reagieren als vor dem 11. September. Die internationale Zusammenarbeit, der Erfahrungsaustausch und die Gründung eines Netzwerks von Sicherheitslabors habe dazu beigetragen, schnelle Erkennungsmethoden und mögliche Gegenmittel zu erforschen. So wisse man heute, dass gegen Milzbrand und andere Bakterien Antibiotika eingesetzt werden können. Auch im Gesundheitsministerium sieht man sich im Fall des Falles gewappnet: "Im Ernstfall wissen wir, wen wir anrufen müssen", heißt es dort mit Blick auf das Experten-Netzwerk.