Terror-Ermittlungen Jagd auf den geheimnisvollen Marokkaner
Berlin - Nach einem Bericht der marokkanischen Tageszeitung "al-Sabah" befindet sich der 36-jährige Marokkaner Abd al-Karim Madschati zurzeit im Visier von mindestens drei Geheimdiensten. Marokkanische, saudische und US-amerikanische Fahnder seien hinter ihm her, schrieb das Blatt gestern. Der Grund: al-Madschati soll Chefplaner des Terroranschlags von Madrid am 11. März gewesen sein.
Bislang galt der Marokkaner vor allem als einer der mutmaßlichen Hintermänner der parallelen Selbstmordanschläge vom Mai 2003, die die marokkanische Küstenstadt Casablanca erschütterten und 45 Menschen das Leben kosteten. Seitdem fahndet auch das FBI nach Madschati, dessen Aufenthaltsort unbekannt ist. Der Homepage des FBI zufolge wird er "in Zusammenhang mit möglichen Bedrohungen gegen die USA" gesucht. Madschati ist der Sohn eines marokkanischen Vaters und einer französischen Mutter. Er soll mit einer US-Amerikanerin tunesischer Herkunft verheiratet sein.
"Ein dicker Fisch"
"Al-Sabah" berichtet unter Bezug auf eine nicht genannte Quelle in marokkanischen Ermittlerkreises, es gäbe Hinweise, dass Madschati unmittelbar nach dem Massaker von Madrid von dort aus nach Marokko zurückgekehrt sei. "Starke Indizien" deuteten zudem darauf hin, dass er sich noch drei Tage vor dem Attentat in der spanischen Hauptstadt aufgehalten habe. "Madschati ist ein dicker Fisch, aber seine genaue Rolle ist unklar", zitierte am Dienstag die Nachrichtenagentur Reuters einen marokkanischen Ermittler.
Die spanischen und marokkanischen Behörden haben Madschati bislang noch nicht in Verbindung mit dem Madrider Anschlag gebracht, bei dem 191 Menschen starben und rund 1.800 verletzt wurden. Insbesondere die spanischen Behörden sind skeptisch, ob Madschati beteiligt war.
Der spanische Innenminister Angel Acebes sagte am Dienstag, die "Marokkanische islamische Kampfgruppe" stehe nun im Fokus der Ermittlungen. Verbindungen zwischen den bereits festgenommenen Personen und verschiedenen weiteren Extremistengruppen würden untersucht. Dieselbe Gruppe bezeichneten ebenfalls am Dienstag auch die marokkanischen Behörden als verdächtigte Organisation. Als zweite Gruppe nannten sie darüber hinaus die "Salafija Dschihadija", eine islamistische Terrororganisation, der auch die Anschläge von Casablanca zugeschrieben werden.
Insgesamt 14 Verhaftungen
Insgesamt werden in Spanien zurzeit 14 Verdächtige festgehalten. Zuletzt wurden am Dienstagnachmittag zwei Personen festgenommen; die meisten von ihnen stammen aus Marokko. Bei einigen der Festgesetzten glauben die spanischen Behörden, dass sie eine direkte Rolle bei dem Anschlag von Madrid gespielt haben. Nach spanischem Recht können sie bis zu zwei Jahre lang inhaftiert bleiben, während die Ankläger belastendes Material und Beweise sammeln.
Andere vorübergehend Festgenommene sind unterdessen nach Befragungen bereits wieder frei gelassen worden. Es sei möglich, dass es in den nächsten Tagen zu weiteren Festnahmen komme, erklärte der spanische Innenminister Acebes.
Acebes sagte außerdem, man suche noch nach weiteren Hauptverdächtigen. Bislang galt der kurz nach dem Anschlag festgenommene Marokkaner Jamal Zougam als Hauptverdächtiger. Doch mittlerweile scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass es noch weitere Planer gegeben haben muss. Der französische Privatermittler Jean-Charles Brisard glaubt, dass Abu Musab al-Sarkawi, ein Jordanier mit al-Qaida-Verbindungen und mutmaßlicher Chef-Koordinator des Widerstands im Irak, das Mastermind hinter dem Anschlag gewesen sei. Auch spanische Offizielle hätten dies gesagt.
Die spanische Tageszeitung "El Pais" berichtete am Montag, dass die Polizei das Haus durchsucht habe, in dem die Terroristen offenbar die Bomben zusammengesetzt haben. Dabei seien die Fingerabdrücke von mindestens zehn Personen gefunden worden sein, darunter auch die von Jamal Zougam. Der Radiosende "Onda Cero" berichtete am Wochenende, dass auch die Abdrücke von Abderrahim Zbakh, einem weiteren Verdächtigen aus Marokko, bei der Hausdurchsuchung in der Nähe von Morata de Tajuna, 30 Kilometer südöstlich von Madrid, gefunden worden seien. Die Ermittler bestätigten diese Meldung bislang nicht.