Terror-Freispruch: Mzoudi sagt kostenpflichtige Pressekonferenz ab - DER SPIEGEL
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Terror-Freispruch Mzoudi sagt kostenpflichtige Pressekonferenz ab

Neuer Wirbel um Abdelghani Mzoudi: Nachdem der vom Terror-Verdacht freigesprochene Marokkaner von Journalisten Geld für eine Pressekonferenz kassieren wollte, sagten viele Reporter ab. Nun hat sich Mzoudi anders entschieden und will weiter schweigen.
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Berlin - Fast drei Jahre lang hat Abdelghani Mzoudi eisern geschwiegen. Kaum ein Wort hat der bis vor kurzem als Helfer der Hamburger Todespiloten angeklagte Marokkaner in den langen Prozesstagen vor dem Oberlandesgericht zu Protokoll gegeben. Vor und nach den Sitzungen verschwand er ebenso wortlos, nur manchmal ließ er ein Grinsen auf seinem Gesicht erkennen.

Das Schweigen des mittlerweile rechtskräftig freigesprochenen Mannes sollte eigentlich morgen ein Ende haben. Auf einer Pressekonferenz wollte er in einer Hamburger Kneipe erstmals Fragen beantworten. Doch zum Interview mit dem laut Urteil Unschuldigen wird es nicht kommen. Völlig überraschend sagte seine Anwältin Gül Pinar die Plauderstunde mit dem Freund der Todespiloten um Mohammed Atta ab.

Der Absage war ein skurriler Streit vorausgegangen, der erneut ein Licht auf die vielen Zweifel an dem Freispruch und letztlich auch an der Unschuld Mzoudis wirft. In der Einladung für die Pressekonferenz hatten die Anwälte Mzoudis nämlich alle Reporter aufgefordert, jeweils 50 Euro als Eintritt zu bezahlen. Mit dem Geld wollten die Juristen Mzoudi den Rückflug nach Marokko bezahlen, wohin er spätestens in zehn Tagen aufbrechen muss, da er nach dem endgültigen Freispruch für Deutschland keine Aufenthaltsgenehmigung mehr besitzt.

Die Offerte der Mzoudi-Verteidiger sorgte für sofortigen Widerspruch bei den Medien. Viele der Reporter, die den Prozess und die Ermittlungen gegen Mzoudi seit Jahren intensiv verfolgen, protestierten bei den Anwälten gegen das Eintrittsgeld. Die Deutsche Presse Agentur und andere führende Nachrichtenagenturen weigerten sich am Morgen komplett, für ihre Kunden von einer kostenpflichtigen Pressekonferenz zu berichten.

Schon zuvor hatte die Anwältin bei verschiedenen Medien sondiert, ob diese für Exklusiv-Interviews mit Mzoudi bezahlen würden. Nachdem sich jedoch viele Medien geweigert hatten, das eiserne Schweigen Mzoudis mit einem Scheck zu brechen, waren die Anwälte auf die Idee mit dem Eintritt für die Pressekonferenz gekommen.

Wie Mzoudi nun seinen Rückflug finanzieren will, blieb am Dienstag offen. Der Hamburger Innensenator ließ mitteilen, dass die Behörde die gesetzliche Frist von nunmehr zehn weiteren Tagen für eine freiwillige Ausreise noch abwarte. Danach werde Mzoudi regulär abgeschoben. Das Flugticket nach Marokko, das um die 1000 Euro kostet, würde dann die Staatskasse übernehmen.

Matthias Gebauer