Terror in London Das Muster Madrid
London/Madrid - "Wir haben nie geglaubt, dass wir die einzigen Opfer sein würden", sagte Jorge Dezcellar vom spanischen Geheimdienst der "New York Times". "Wir hatten nur das Pech, als erstes Ziel ausgewählt worden zu sein. Wie Madrid spürt nun auch London, wie verwundbar wir sind."
Bei der Anschlagsserie in der spanischen Hauptstadt waren im März des vergangenen Jahres 191 Menschen getötet und mehr als 1500 verletzt worden. Im Bahnhof Atocha explodierte damals die erste von zehn Bomben, die islamistische Terroristen gezündet hatten. Während die Täter in Madrid bei den Attentaten vor 16 Monaten die Bomben mit Mobiltelefonen zündeten, vermuten die Ermittler in London, dass es Zeitzünder waren, die die Explosionen in dem Verkehrsnetz der britischen Hauptstadt auslösten - Mobiltelefone funktionieren in U-Bahnen nicht.
Aber dennoch gibt es Parallelen. Wie in Madrid wurden auch in London keine spektakulären symbolischen Ziele ausgewählt. Es traf nicht den Prado oder den Palast des Königs, es traf nicht Big Ben, Buckingham oder Westminster Abbey - sondern normale Bürger, die auf dem Weg zur Arbeit waren und so für volle Busse und U-Bahnen sorgten. Auch in Madrid wurden die zehn Bomben in vier Zügen zur Rush-hour gezündet.
Der Effekt war in beiden europäischen Metropolen derselbe: Das öffentliche Leben in den Citys kam zum Stillstand. "Das ist immer das Ziel der Terroristen: Größtmögliche Aufmerksamkeit und Wirkung zu erzielen", sagt Hamidou Laanigri, Marokkos Sicherheitschef. "Die Explosionen sollten Panik in der Bevölkerung auslösen."
Auch beim politischen Zeitpunkt der Anschläge gibt es Ähnlichkeiten: In London wurden die Anschläge während des G-8-Gipfels in Schottland verübt. Gastgeber Tony Blair führte seine Truppen in den Irak-Krieg. In Madrid explodierten die Bomben in den Zügen drei Tage vor den Parlamentswahlen, deren Ausgang unklar war.
Innerhalb von vier Tagen kippte damals die Stimmung im Land: Ministerpräsident José María Aznar, der den Irak-Krieg befürwortet hatte, wurde abgewählt. Neuer Regierungschef wurde José Luis Rodríguez Zapatero, der umgehend den Abzug der spanischen Soldaten verkündete.