Terror in Madrid Rätsel um nicht explodierte Bombe
Madrid - Die nicht detonierte Rucksack-Bombe war erst nach den tödlichen Explosionen im Bahnhof "El Pozo del Tío Raimundo" gefunden worden. Nach Angaben des spanischen Radiosenders "Cardena Ser" enthielt der Rucksack 10,2 Kilogramm Sprengstoff, der mit Nägeln und Schrauben umklebt war. Offenbar sollten die Stahlteile eine Splitterwirkung erzielen, um Menschen im Umkreis zu töten.
Aufgefallen ist der Rucksack erst durch ein darin ein klingelndes Mobiltelefon. Die spanische Zeitung "El Mundo" berichtete, dass dies jedoch nicht mit dem Sprengpaket verbunden war.
Entscheidender ist jedoch die Art des gefundenen Sprengstoffs. Nach Angaben von "Cardena Ser" handelt es sich dabei um die Art "Special C", das in Spanien hergestellt werde. Üblicherweise werde dieser Sprengkörper nicht von der baskischen Terrororganisation ETA verwendet, so der Bericht. Nach Erkenntnissen spanischer Terror-Fahnder benutzt die Eta hauptsächlich konventionellen Sprengstoff, den sie aus Bergwerken gestohlen hat.
Auch der verwendete Zünder soll demnach nicht der Eta-typischen Bauart entsprechen. Angeblich benutzt diese stets Aluminium-Zünder, während der gefundene Sprengsatz einen Kupfer-Zünder enthielt. Nach Angaben auf der Website des Senders wird die Bombe deshalb intensiv von spanischen Kriminaltechnikern überprüft.
Der Radio-Bericht lässt erneut Zweifel an der Theorie aufkommen, dass die Eta alleinig hinter den Anschlägen steckt. Der Sprengstoff "Special C" werde eher von Terroristen der islamisch-extremistischen Szene benutzt, so der Bericht des Radiosenders. Die spanischen Behörden äußerten sich jedoch bisher nicht zu den angeblich neuen Erkenntnissen.
Bislang hatten die spanischen Behörden stets erklärt, der an den Tatorten und auch in den anderen nicht detonierten Rucksäcken gefundene Sprengstoff sei der gleiche, der schon früher von der Eta verwendet worden war. Dieses Indiz ist bisher die wichtigste Verbidnung zu der baskischen Untergrundorganisation, die seit Jahrzehnten mit Bomben und anderen Terror-Aktionen für die Unabhängigkeit des Baskenlandes kämpft.
Darum gehen die spanischen Behörden und internationale Geheimdienste zur Zeit noch davon aus, dass der Anschlag auf das Konto der Eta geht. Die Hinweise auf eine Beteiligung der al-Qaida, die sich in einem angeblichen Bekennerbrief gemeldet hatte, halten die Fahnder bisher nicht für stichhaltig. Die neuen Erkenntnisse aus dem Radio-Bericht konnten von deutschen Geheimdienstlern bisher nicht kommentiert werden, da sie von den spanischen Behörden nicht übermittelt wurden.