Terror-Prozess: Al-Motassadeq gesteht Finanztransfers - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Terror-Prozess Al-Motassadeq gesteht Finanztransfers

Am zweiten Tag im Prozess gegen den mutmaßlichen Terror-Helfer Mounir al-Motassadeq hat der Marokkaner weitere Punkte der Anklage eingestanden. Er gab zu, dass er manche Finanzaktion der Zelle abgewickelt hat. Von den Plänen der Attentäter habe er trotzdem nichts gewusst, beteuerte er.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Anwälte des Angeklagten bleiben bei ihrer Verteidigungslinie. Ihr Mandant al-Motassadeq gibt all das zu, was die Bundesanwaltschaft so oder so mit Sachbeweisen belegen kann. Freilich aber liefert der vermeintliche Helfer und Gefährte der Hamburger Todes-Piloten ganz andere Gründe für die Verbindungen zu der Hamburger Terror-Zelle, als ihm die Bundesanwälte nachzuweisen versuchen.

Immer wieder setzt al-Motassadeq den Anklägern entgegen, dass seine Hilfeleistungen als "Freundschaftsdienste" vollkommen üblich seien unter Muslimen, die im Exil leben. Die Bundesanwälte jedoch werfen dem Angeklagten weiterhin vor, er sei ein festes Mitglied in der Terror-Zelle um Mohammed Atta gewesen.

Am Mittwoch ging es hauptsächlich um Finanztransaktionen, die al-Motassadeq für die Attentäter getätigt haben soll. Die Anklage wirft ihm vor, er habe im Jahr 2000 Geld an den mittlerweile gefassten Helfer der Hamburger Zelle, Ramsi Binalshibh, überwiesen, um diesem bei der Vorbereitung der Anschläge zu helfen. Deshalb, so die Argumentation der staatlichen Fahnder, müsse er um die Pläne der Attentäter gewusst haben.

"Was daraus wurde, weiß ich nicht"

Al-Motassadeq bestätigte am Mittwoch die Überweisung, berichtete aber einen anderen Hintergrund. Er erzählte vor Gericht, dass er im August 2000 während der Abwesenheit Marwan al-Shehhis, dessen Konto er verwaltete, einen Anruf erhalten habe. Eine arabische Stimmen forderte ihn demnach auf, sein Telefon auf Faxbetrieb zu schalten. Dann sei ein Fax von Ramsi Binalshibh eingegangen mit der Aufforderung, die 5000 Mark von al-Shehhis Konto auf das Konto von Binalshibh zu überweisen. Das Fax sei aus dem Jemen gekommen. Auch das sei ihm nicht verdächtig vorgekommen, schließlich stammt Binalshibh aus dem Jemen.

Er habe sich dann lediglich an die Anweisung gehalten und sich weder über die sehr konspirative Abwicklung der Anweisung noch den Sinn der Aktion Gedanken gemacht. "Was daraus wurde, weiß ich nicht", sagte al-Motassadeq dem Gericht. Vorher hatte der Beschuldigte berichtet, dass er an das weltweit gesuchte mutmaßliche Gruppenmitglied Said Bahaji 1050 Mark ausgeliehen habe, die später zurücküberweisen worden seien.

Motassadeq schilderte am Mittwoch auch erneut seine Beziehungen zu verschiedenen Mitgliedern der Hamburger Zelle. Am Dienstag hatte er bereits berichtet, wie er Atta und al-Shehhi kennen gelernt hatte. Am Mittwoch berichtete er dann, dass er den im vergangenen Monat in Pakistan festgenommenen Binalshibh Ende 1997 in Wismar kennen gelernt hatte. "Er wollte eigentlich studieren, aber ich habe ihn nie studieren sehen", so der Angeklagte über den mittlerweile von den Fahndern als wichtiges Mitglied der Zelle eingestuften Jemeniten.

Essabar wollte heiraten

Außerdem habe er die weltweit gesuchten Mitglieder der Terror-Zelle, Bahaji und Zakariya Essabar, in Hamburg-Harburg kennen gelernt, erklärte Motassadeq. Bahaji habe zusammen mit Atta und Binalshibh in der Marienstraße 54 gewohnt. Als der Angeklagte seine Eltern in Marokko besuchte, habe er Bahaji eine Generalvollmacht ausgestellt, um laufende Ausgaben begleichen zu lassen. Im Sommer 2001 habe er ihm zusätzlich 1000 Mark überwiesen, um dessen Schulden auszugleichen. Zuletzt habe er etwa eine Woche vor dem 11. September bei einem Telefonanruf von ihm gehört.

Auch Essabar lernte der Angeklagte in der Marienstraße kennen. "Essabar wollte heiraten, aber er hat nichts gefunden", sagte Motassadeq. Immer wenn er seinen möglichen Schwiegereltern gesagt habe, er wolle mit seiner späteren Frau im Afghanistan der Taliban leben, sei aus den Hochzeiten nichts geworden. Den späteren Flugzeugentführer Ziad Jarrah will Motassadeq nur oberflächlich gekannt haben.

Mehr lesen über