Terror-Warnung Saudis rechnen mit weiteren Anschlägen
Washington/Riad - Prinz Bandar Ibn Sultan fürchtet, dass ein neuer Anschlag unmittelbar bevorsteht - entweder in den USA oder in seinem Land. "Ich denke, dass sie darauf abzielen, etwas viel Größeres zu machen", sagte er. Darauf deuteten auch saudi-arabische und US-Geheimdienstinformationen hin. Vor den Anschlägen vor einer Woche seien Gespräche abgehört worden, aus denen hervorgehe, dass möglicherweise weitere Operationen geplant seien, sagte der Botschafter.
Etwa eine Woche vor den Anschlägen in Riad seien in unmittelbarer Nähe einer der Ausländer-Wohnanlagen mehr als 370 Kilogramm Sprengstoff entdeckt worden, sagte Prinz Bandar weiter. In Zusammenhang mit dem Fund war nach Angaben des saudi-arabischen Innenministeriums nach 19 Männern gesucht worden. Der Frahndungserfolg habe die flüchtigen Männer möglicherweise dazu veranlasst, die Anschläge schneller auszuführen als ursprünglich geplant worden sei.
Aus saudi-arabischen Kreisen verlautete, nach dem Sprengstoff-Fund hätten sich mehrere al-Qaida-Mitglieder aus Saudi-Arabien nach Europa oder in die USA abgesetzt. Andere al-Qaida-Mitglieder hätten die Anschläge in Riad verübt. In den Kreisen wurde die Bedrohung durch weitere Anschläge in Saudi-Arabien oder den USA als "sehr ernst" eingestuft.
Bei den Selbstmordanschlägen auf Ausländer-Wohnanlagen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad waren 34 Menschen getötet worden, darunter acht US-Bürger. Hinter den Anschlägen wird die Extremisten-Organisation al-Qaida vermutet, die auch für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht wird.
Casablanca-Attentäter verfehlten ihre Ziele
Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass die Attentäter in Casablanca doch nicht so gut ausgebildet waren wie zunächst angenommen. Nach Einschätzung der marokkanischen Polizei haben sie ihre Anschläge fehlerhaft geplant und einige ihrer tatsächlichen Ziele verfehlt. Der Leiter einer Polizeieinheit erklärte unter anderem, ein Angreifer habe sich offenbar im Eingangsbereich eines jüdischen Friedhofs in die Luft sprengen wollen. Tatsächlich habe er seinen Sprengsatz an einem ähnlichen Brunnen 50 Meter vom Eingang entfernt gezündet.
Nach Aussage des marokkanischen Innenministers Mustafa Sahel sind inzwischen alle Angreifer identifiziert. Zwölf von ihnen - nicht wie zunächst angenommen 13 - waren bei den Anschlägen getötet worden. Zwei weitere Beteiligte seien lebendig gefasst worden.