Terrorangst: Luftabwehrraketen werden in Rom positioniert - DER SPIEGEL
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Terrorangst Luftabwehrraketen werden in Rom positioniert

Es ist das wohl größte Begräbnis aller Zeiten. Nicht einmal die Trauerfeier für Prinzessin Diana dürfte so viele Trauergäste angezogen haben. Wenn am Freitag Johannes Paul II. beigesetzt wird, herrscht in Rom höchste Sicherheitsstufe - doch auf Metalldetektoren müssen die römischen Anti-Terror-Kräfte verzichten.
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Hamburg - Allein aus seiner polnischen Heimat werden rund eine Million Menschen zur Beerdigung des Papstes erwartet. "Wir können nur sagen, dass mehr kommen werden, als wir uns vorstellen können", heißt es in Polens Botschaft in Rom. Ein Sprecher des polnischen Außenministeriums spricht sogar von zwei Millionen Polen, die nach Rom reisen. Insgesamt schwanken die Schätzungen der erwarteten Pilger von zwei bis fünf Millionen, mindestens so viele Menschen, wie seinerzeit nach London geströmt waren, als Prinzessin Diana zu Grabe getragen wurde.

Rom stellt sich auf mehr Besucher ein, als die Stadt Einwohner hat. Das Problem ist: Auf den Petersplatz und die darauf zuführende Via della Conciliazione passen gerade einmal eine halbe Million Menschen. Bei dem enormen Ansturm, den der Platz 2003 bei der Seligsprechung von Mutter Teresa zu verzeichnen hatte, kamen rund 250.000 Besucher. So soll die Beisetzung des Papstes nun etwa im Olympiastadion auf Riesenleinwänden übertragen werden - doch hier ist nur für gut hunderttausend Pilger Platz.

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Natürlich müssen die Millionen von Papaboys, wie die jugendlichen Fans des Pontifex genannt werden, auf verpflegt und untergebracht werden. Vermutlich wird das Stadion daher auch als Campingplatz herhalten müssen. Am Stadtrand, wo im Jahr 2000 die Abschlusskundgebung des Weltjugendtages stattgefunden hat, werden ebenfalls Zelte aufgestellt. In den Messehallen stehen die Feldbetten auch schon bereit.

Aber es sind nicht nur die Pilgerströme, die die Stadt Rom vor eine enorme Herausforderung stellt. Unter den Besuchern befinden sich auch 200 Staatsoberhäupter und Regierungschefs, die Johannes Paul II. die letzte Ehre erweisen wollen - darunter US-Präsident George W. Bush nebst drei seiner Amtsvorgänger, der britische Premier Tony Blair, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Horst Köhler.

Nach den Attentaten des 11. September 2001 ist die Furcht bei einem solchen Großereignis immens. Es sei, als müsse man innerhalb von 48 Stunden ein Heiliges Jahr wie 2000 organisieren, klagt Roms Bürgermeister Walter Veltroni. Einzige Hoffnung, der Sicherheitskräfte: Auch Terroristen, die einen Anschlag auf die versammelten Menschen planen könnten, haben kaum Zeit, diesen vorzubereiten.

Dennoch bieten die Verantwortlichen in der Ewigen Stadt all ihre Kräfte auf, um etwaige Anschlagspläne zu vereiteln. Dabei bereiten den Verantwortlichen um den zum Sonderkommissar ernannten Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, auch die Regularien des Vatikans Bauchschmerzen. So wollen die Kirchenvertreter auf keinen Fall, dass bewaffnete Eskorten in den Zwergstaat einfallen und so das Erscheinungsbild des friedlichen Platzes "militarisieren". Pistolen und andere Waffen sind nach diplomatischem Protokoll auf dem Petersplatz verboten - eine Regel, an die sich also zum Beispiel auch die Bodyguards der Staatsgäste richten müssten. Auch von Schleusen mit Metalldetektoren hält der Vatikan nichts, die Terroristenjäger müssen sich daher mit stichprobenartigen Kontrollen begnügen.

Um die internationalen Würdenträger und die Millionen übrigen Trauergäste zu beschützen, plant die Stadt Rom verschiedene Sicherheitsmaßnahmen: Der Luftraum über der Stadt wird während der Bestattungsfeier für die zivile Luftfahrt gesperrt. Das italienische Militär will zudem Luftabwehrraketen in der Region stationieren. Die Nato stellt ein Überwachungsflugzeug zur Verfügung, das zusammen mit italienischen Militärjets den Luftraum überwacht. Auf den umliegenden Dächern positionieren sich Scharfschützen. Polizisten aus ganz Italien kommen zur Verstärkung in die Hauptstadt, insgesamt 15.000 Polizisten und Soldaten werden während der Trauerfeier in Rom im Einsatz sein. Allein 1500 Beamte sind für den Schutz der Staatsgäste abgestellt.

Spezialkräfte durchkämmen den Untergrund der Stadt nach möglichen Sprengsätzen, Taucher durchsuchen die Fluten des Tiber. US-Präsident Bush will dem Vernehmen nach in einem Konvoi gepanzerter Fahrzeuge Einzug in der Stadt halten - angeführt von einem speziellen Spähauto, das angeblich sogar Autobomben unschädlich machen kann.

Auf Erfahrungen kann der Zivilschutz kaum zurückblicken. Bei den Beisetzungen von Paul VI. und Johannes Paul I. 1978 waren die Sicherheitsvorkehrungen noch viel geringer ausgefallen. Die damalige Furcht vor Anschlägen der Roten Brigaden wog weit weniger, als die vor dem internationalen Terrorismus heute. Verschärft wurden die Maßnahmen erst, nachdem der Attentäter Ali Agca 1981 auf dem ungesicherten Petersplatz auf den Papst schoss und ihn schwer verletzte.

Immerhin: Eines lässt die Stadtoberen aufatmen. Die römischen Verkehrsbetriebe haben ihren für Freitag angesetzten Streik auf eindringliche Bitten hin verschoben.