Terrorbekämpfung Bali-Bomber macht Kaffeepause bei Starbucks
Jakarta - Er saß gemütlich im noblen "Plaza Indonesia"-Einkaufszentrum und schlürfte Kaffee: Ali Imron, ein zu lebenslanger Haft verurteilter Bali-Attentäter, genoss eine Weile den Blick auf die geschäftige Einkaufsstraße in Jakarta, bevor Reporter ihn entdeckten. Sein Begleiter, der mit den Ermittlungen zu den Bali-Attentaten betraute Brigade-General Gorris Mere, trommelte unverzüglich seine bewaffneten Sicherheitskräfte zusammen und verfrachtete den Häftling in ein wartendes Auto.
Imron war im September letzten Jahres der Mittäterschaft an den Anschlägen auf Nachtclubs am 12. Oktober 2002 überführt worden. Bei dem Attentat auf einer Vergnügungsmeile waren 202 Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs Deutsche. Dutzende wurden verletzt. Drei der mehr als 30 militanten Attentäter waren zum Tode verurteilt worden, nachdem sie sich im Prozess uneinsichtig gezeigt hatten. Imron war mit lebenslanger Haft davongekommen, weil er sich reuig gezeigt und mehrfach um Entschuldigung für seine Taten gebeten hatte.
Die indonesische Polizei wollte den ungewöhnlichen Freigang des Häftlings zunächst nicht bestätigen. Nachdem heute Berichte in Zeitungen erschienen waren, sagte ein Polizeisprecher, der Ausflug sei im Rahmen einer Untersuchung von Terrorfällen erfolgt. "So lange es sich um eine Ermittlung handelt, kann alles unternommen werden", sagte der zuständige Kommissar Paiman. Wo eine solche Aktion stattfinde, sei lediglich eine technische Frage. Wenn Untersuchungsleiter oder Ermittler es für nötig befänden, würde es erlaubt werden: "No problem", betonte der Inspektor.
In der Tat war der Ausflugsort des Terroristen in der Vergangenheit mehrfach Ziel von Bombenanschlägen. Vor allem westliche Unternehmen in dem Einkaufszentrum seien von Attentaten betroffen gewesen. Wie lange sich der verurteilte Bombenleger noch in der Hauptstadt aufhalten und ob er weitere Tatortbegehungen unter Polizeischutz unternehmen werde, wollte Paiman zunächst nicht sagen.
Die blutigen Anschläge in Bali waren der lokalen al-Qaida-Gruppe Jemaah Islamiah angelastet worden. Deren geistiger Führer, Abu Bakar Bashir, ist zurzeit in Untersuchungshaft. Einige der Terroristen hatten nach ihrer Verhaftung gesagt, man habe die Nachtclubs als Terrorziel gewählt, weil ein Schlag gegen den Westen und westliche Interessen geführt werden sollte.