Terrorbekämpfung: Das Fest der Angst - DER SPIEGEL
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Terrorbekämpfung Das Fest der Angst

Die Angst vor Terroranschlägen überschattete in vielen Ländern die Weihnachtsfeiertage. In Spanien und der Türkei wurden Bombenanschläge vereitelt. Air France musste nach einer US-Warnung sechs Flüge zwischen Paris und Los Angeles streichen. Und Bin Ladens Qaida droht der Welt mit neuen Terrorakten.
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Washington - Die spanische Polizei verhinderte zwei Sprengstoffanschläge auf dem belebten Madrider Bahnhof Chamartin. Wenige Stunden vor der geplanten Explosion wurden zwei mutmaßliche Mitglieder der Untergrundorganisation ETA festgenommen, wie der spanische Innenminister Angel Acebes mitteilte. Den Angaben zufolge wurde eine mehr als 20 Kilogramm schwere Bombe in einem Zug von San Sebastian nach Madrid deponiert. Einer der Festgenommenen habe eine zweite ähnlich schwere Bombe bei sich geführt, die ebenfalls in dem Zug hätte abgelegt werden sollen. In der nahe gelegenen Stadt Hernani wurde den Berichten zufolge kurz darauf sein Komplize gefasst.

Am Freitag wurde im Nordosten Spaniens eine dritte Bombe entdeckt, die von den beiden Festgenommenen deponiert worden sein soll. Ein vierter Sprengsatz explodierte statt wie geplant am Mittwochnachmittag auf einer Strecke nahe Saragossa bereits Dienstagnacht, ohne größere Schäden anzurichten.

Nach Medienberichten von Donnerstag entdeckte die französische Polizei 200 Erpresserbriefe der ETA, die an Unternehmen adressiert waren. Die Briefe seien in einem Auto im südwestlichen Bezirk Landes versteckt gewesen.

Verdacht in Frankreich nicht erhärtet

Ein französischer Regierungssprecher teilte mit, der Entscheidung, die Flüge nach Los Angeles zu streichen, sei eine Warnung amerikanischer Behörden vor "zwei oder drei" Verdächtigen vorausgegangen. Es handelte sich um drei für am Mittwoch und Donnerstag vorgesehene Flüge nach Los Angeles und drei Rückflüge nach Paris. Sieben Personen - ein Franzose, ein Amerikaner sowie fünf Algerier - wurden befragt.

Ihre Namen hatte der US-Geheimdienst CIA an die französischen Kollegen übermittelt. Gegen keinen von ihnen habe sich jedoch ein Terrorverdacht bestätigt, alle seien wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Am Freitag nahm Air France den Flugbetrieb nach Los Angeles wieder auf.

Alle Passagierlisten der Flüge Paris-Los-Angeles oder zurück vom Mittwoch und Donnerstag wurden ebenfalls ergebnislos überprüft, dabei auch jene Passagiere, die nicht zum Flug erschienen waren. Deren Zahl sei jedoch nicht höher gewesen als üblich, teilte die Pariser Polizei noch mit. Washington hatte Paris außerdem auch auf einen Tunesier mit Pilotenschein aufmerksam gemacht, der sich allerdings in seinem Land aufhält und den Spezialisten der Terror-Bekämpfung unbekannt ist.

Seit Wochen stellen die US-Behörden intensive Kommunikation von Terrorverdächtigen über einen möglichen geplanten Anschlag fest. Vor einer Woche wurde die zweithöchste Terrorstufe in den USA verhängt.

Die US-Botschaft in Den Haag wurde in der Nacht zum Freitag nach einer Terrorwarnung von Spezialeinheiten der Polizei mehrere Stunden lang abgeriegelt. Nach niederländischen Medienangaben war eine telefonische Warnung eingegangen, die als ernst eingestuft wurde. Eine Untersuchung habe aber nichts Verdächtiges ergeben.

Die Schweiz wurde von der iranischen Regierung vor möglichen Anschlägen auf ihre Botschaft in Teheran gewarnt. Die Botschaft, die die Interessen der USA in Iran vertritt, sei ein potenzielles Ziel der Terrororganisation al-Qaida, berichteten Schweizer Medien weiter.

"Schwerer Schlag gegen die USA"

Topterrorist Osama Bin Laden hat einem Bericht eines in London ansässigen arabischen Magazins zufolge einen sehr schweren Anschlag gegen die USA bis Februar angekündigt. Das Wochenmagazin "Al Madschalla" berichtete am Freitag, es habe eine E-Mail des wenig bekannten El-Kaida-Mitglieds Abu Mohammed al-Abladsch erhalten.

"Ein Botschafter von Osama Bin Laden hat ihn (Abladsch) informiert, dass der Führer al-Qaidas auf einem Videoband auftauchen werde, nachdem eine Operation durchgeführt worden ist, die bin Laden als den USA das Genick brechend beschrieben habe und die die Ordnung der Dinge verändern werde", berichtete die Zeitung am Freitag in ihrer jüngsten Ausgabe.

"Sie (die Amerikaner) sollten ihre Särge, Krankenhäuser und Gräber bereithalten", zitierte das Magazin Abladsch. "Die kommenden Tage werden voll an Überraschungen und großartigen Ereignissen sein, die ihnen ein historisches Beispiel sein werden." Die Echtheit der E-Mail war zunächst nicht zu klären.

Istanbuler Polizei rechnet mit neuer Anschlagswelle

Die türkische Polizei stellte fünf Wochen nach den verheerenden Selbstmordanschlägen von Istanbul 500 Kilogramm Sprengstoff sicher, darunter mehrere Säcke des hochexplosiven Militärsprengstoffs RDX. Der Sprengstoff sei bereits für mögliche Terroranschläge vorbereitet worden. Dank der Ermittlungserfolge der Polizei seien weitere Anschläge in der Stadt vereitelt worden, sagte der Istanbuler Provinzgouverneur Muammer Güler am Freitag.

Güler präsentierte am Freitag bei einer Pressekonferenz die umfangreiche "Waffenkammer" der türkischen Terrorzelle. Die Selbstmordanschläge vom November seien nunmehr "von der Planungsphase bis zur Ausführung" durchleuchtet, sagte der Gouverneur weiter.

Bei den Anschlägen auf zwei Synagogen sowie das britische Generalkonsulat und eine britischen Bank waren 62 Menschen getötet und mehr als 750 verletzt worden. Seither seien 35 mutmaßliche Terroristen und Helfer verhaftet worden, sagte Güler.

Bei einer Polizeirazzia in der westtürkischen Stadt Izmir wurden unterdessen 15 Kilogramm Plastiksprengstoff beschlagnahmt. Gegen ein mutmaßliches Mitglied der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) erging Haftbefehl. Der Mann hatte den Sprengstoff als Frachtgut in einem alten Fernseher aus der südosttürkischen Stadt Mardin zugeschickt bekommen. Die Polizei vermutet, dass der C4-Sprengstoff aus dem Nordirak stammt und zu Anschlägen in der Türkei dienen sollte.