Terrorermittlungen Nummer 8 in Australien gefasst
London - Der Anti-Terroreinsatz nach den fehlgeschlagenen Autobombenanschlägen in Großbritannien hat erstmals zur Festnahme eines Verdächtigen im Ausland geführt. Die australische Polizei habe am Flughafen in Brisbane einen Verdächtigen festgenommen, sagte der Premierminister des Bundesstaates Queensland, Peter Beattie.
Die britische Polizei bestätigte, bei dem in Australien Festgenommenen handele es sich um einen achten Verdächtigen. Woher der Arzt stammt, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Der junge Mann komme aus dem Nahen Osten, habe am Gold-Coast-Krankenhaus in Brisbane in Queensland gearbeitet und früher in Liverpool gelebt, berichtete der Sender ABC unter Berufung auf Beattie. Die Nachrichtenagentur Reuters hingegen zitiert den australischen Premierminister John Howard mit den Worten, der Mann sei indischer Nationalität.
Ein zweiter Arzt wird laut ABC verhört. Unter den sieben in Großbritannien festgenommenen Tatverdächtigen sind ebenfalls zwei Ärzte, einer aus Jordanien und einer aus dem Irak.
Der 27-Jährige wurde gestern Abend am Flughafen von Brisbane gestoppt, als er das Land verlassen wollte, sagte Justizminister Philip Ruddock. Die Polizei handelte nach einem Tipp der Kollegen in Großbritannien. Nach Angaben von Ruddock hatte der Mann nur einen Flugschein für einen einfachen Flug gelöst. Wohin, sagte er nicht.
Nach Angaben von Beattie hatte der Mann einen Teil seiner Ausbildung in Indien absolviert. Er sei von der australischen Klinik über eine Anzeige im "British Medical Journal" rekrutiert worden, als er noch in Liverpool lebte.
Die Polizei im schottischen Glasgow hat am Morgen ein verdächtiges Fahrzeug kontrolliert gesprengt. Der Wagen sei auf einem Parkplatz vor einer Moschee im Süden der Stadt abgestellt gewesen, teilte eine Polizeisprecherin mit, ohne weitere Angaben zu machen. Derzeit deute aber nichts auf einen Zusammenhang mit den fehlgeschlagenen Bombenanschlägen in London und Glasgow hin. Im Rahmen der Terrorfahndung hatte die Polizei in den vergangenen Tagen mehrfach verdächtige Gegenstände in Fahrzeugen gesprengt.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen entdeckten Ermittler unterdessen die Bombenwerkstatt der gescheiterten Attentäter. Die Sprengsätze seien in der Nähe von Glasgow hergestellt worden.
Gestern Nachmittag hatte die Polizei in zwei Krankenhäusern in Großbritannien Räume von Mitarbeitern durchsucht. Die schottischen Ermittler durchsuchten nach Angaben eines Sprechers im North Staffordhire Hospital das Büro eines jordanischen Mediziners, der als Drahtzieher des Anschlags verdächtigt wird.
Bei einem weiteren Einsatz wurden Räume von Angestellten im Royal Alexandra Hospital durchsucht. Dort wird einer der Attentäter von Glasgow behandelt. Er erlitt schwere Verbrennungen, als er mit einem Komplizen einen Jeep in die Eingangshalle des Flughafens rammte und dieser in Flammen aufging. Vor dem Krankenhaus waren am Nachmittag Zeugen zufolge zwei Explosionen zu hören. Es handelte sich um kontrollierte Detonationen durch die Polizei.
Bei einem der beiden im Zusammenhang mit dem Anschlag Festgenommenen handelte es sich nach einem Bericht des Fernsehsenders Sky News und der BBC um einen irakischen Arzt. Bilal Abdulla habe sein Diplom 2004 in Bagdad erhalten, meldete Sky News unter Berufung auf Polizeiangaben. Die Ermittler hatten zuvor bestätigt, dass wegen der fehlgeschlagenen Attentate in Glasgow und London zwei aus dem Nahen Osten stammende Ärzte festgenommen worden seien.
Innenministerin Smith betonte, alle Berichte über die mögliche Herkunft der Festgenommenen seien Spekulation. Behördenvertreter in Jordanien bestätigten hingegen, dass sich darunter ein 27-jähriger jordanischer Arzt palästinensischer Herkunft und seine Frau befinden. Der Arzt sei vermutlich der Drahtzieher der Attentatsversuche, hieß es in Amman.
"Mein Sohn ist nicht in der Lage, so etwas zu tun"
Der Vater des Jordaniers sagte, er könne seinen Sohn und dessen Frau schon seit Tagen telefonisch nicht mehr erreichen. Allerdings sei er offiziell nicht über die Festnahme informiert worden. "Mein Sohn ist nicht in der Lage, so etwas zu tun", sagte der Vater. Die Familie A. stammt aus Hebron im Westjordanland. A. beschrieb seinen Sohn als fromm, aber nicht extremistisch. Nach Studien in Jordanien habe sich A. junior als Neurologe spezialisiert und sei 2005 nach Großbritannien gezogen. Die britische Polizei wollte Berichte der BBC nicht bestätigen, nach denen alle Festgenommenen aus dem Nahen Osten stammen.
Den Attentätern von Glasgow war die Polizei offenbar kurz vor der Tat dicht auf den Fersen: Wenige Minuten vor dem Anschlag hätten Ermittler die Wohnungsvermittlung Let-It kontaktiert, sagte deren Mitarbeiter Daniel Gardiner. Die Firma habe einem Verdächtigen ein Haus in Houston vermittelt, einem Vorort von Glasgow. Die beiden Männer, die am Samstag ein mit Gasflaschen bestücktes Fahrzeug in den Flughafen in Glasgow steuerten, seien vermutlich dieselben, die am Tag zuvor zwei Autobomben in London platziert haben, berichtet CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen aus Sicherheitskreisen. Eine offizielle Stellungnahme gibt es dazu bislang nicht.
Acht Verdächtige sind inzwischen in Gewahrsam. Nachdem zunächst fünf mutmaßliche Terroristen gefasst waren, meldeten die Ermittler heute die Festnahme von zwei weiteren Verdächtigen, die in den Anschlag auf den Flughafen von Glasgow verwickelt sein sollen. Am Abend wurde dann die Festnahme in Übersee bekannt gegeben.
Auf die Spur kam die Polizei den Verdächtigen offenbar durch Handys, die am Freitag in den beiden Bomben-Mercedes in London entdeckt wurden. Da der Zündmechanismus versagte, konnten die Ermittler die Handys auswerten, berichtete der "Evening Standard": Die Telefone seien in der fraglichen Nacht zwei beziehungsweise vier Mal angerufen worden. "Aus technischen Gründen" seien die Explosionen nicht ausgelöst worden, berichtet das Blatt weiter. Die Verbindungsdaten führten die Ermittler zu den Adressen in Liverpool, Glasgow und Staffordshire.
asc/ffr/AP/AFP/dpa/Reuters