Terrorgefahr USA im Alarmzustand
Washington - Alarm Orange, die zweithöchste Stufe im US-Terrorwarn-System, sorgt für scharfe Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen und anderen Verkehrs-Knotenpunkten. Amerikanische Wahrzeichen wie die Golden Gate Bridge in San Francisco, aber auch Atomkraftwerke und sogar Einkaufszentren werden streng kontrolliert. Vor allem Reisende, die mit dem Flugzeug in den Vereinigten Staaten unterwegs sind, sollten sich deshalb auf lange Wartezeiten einstellen, hieß es aus dem Ministerium für Heimatschutz.
Auch mögliche Angriffsziele in Deutschland werden von der Polizei wegen des Terror-Alarms stärker überwacht. "Wir stehen mit den Geheimdiensten in Kontakt und passen unsere Maßnahmen der internationalen Lage an", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Strengere Kontrollen betreffen etwa die US-Botschaft in der deutschen Hauptstadt. Auch US-Einrichtungen im Ausland werden wegen Alarm orange schärfer bewacht.
Der amerikanische Heimatschutzminister Tom Ridge hatte gestern gesagt, die Warnstufe sei wegen der Gefahr möglicher Attentate während der Weihnachtszeit angehoben worden. Die radikal-islamische Qaida könne bei neuen Anschlägen wieder Flugzeuge einsetzen. US-Präsident George W. Bush stimmte der Entscheidung seines Ministers umgehend zu.
Der Nachrichtensender BBC berichtet, dass etwa an der Golden Gate Bridge Polizisten in Zivil postiert worden seien. CNN zitiert den New Yorker Bürgermeister Bloomberg mit dem Hinweis, man werde Sicherheitskräfte an den Banken und an der Börse einsetzen und Brücken und Tunnel verstärkt kontrollieren. "Keine Stadt ist besser vorbereitet als New York, so Michael Bloomberg.
In Los Angeles sollen Polizisten an 600 "kritischen Punkten" Streife gehen, für den Luftraum über Washington gelten seit Montag eingeschränkte Flugrechte. Landesweit gilt ein Flugverbot über großen Sportstadien. Die Verwaltung von Chicago teilte mit, sie habe die Bundesbehörden aufgefordert, die Flugschneisen über dem Zentrum während des Alarms zu ändern.
Trotz der verschärften Kontrollen forderte Heimatschutzminister Ridge die Menschen auf, wie bisher ihren Weihnachts- und Urlaubsplänen nachzugehen: "Amerika wird sich dem Terror nicht beugen", so Ridge.
Dennoch seien die Hinweise auf Drohungen "jetzt vielleicht größer als an irgendeinem Punkt" seit den Anschlägen 2001, bei denen rund 3000 Menschen getötet worden waren, sagte Ridge auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz in Washington. "Die Information, die wir haben, deutet darauf hin, dass Extremisten im Ausland in nächster Zeit mit Anschlägen rechnen, von denen sie glauben, dass sie an die Anschläge in New York, auf das Verteidigungsministerium und in den Feldern von Pennsylvania herankommen oder sie sogar übertreffen", so Ridge.
US-Kreisen zufolge stammen die Informationen aus "glaubwürdigen Quellen". Ridge hatte sich am Sonntag mit Bush und seinen engsten Sicherheitsberatern getroffen. Ridge habe Bush die Änderung der Warnstufe empfohlen, und der Präsident habe dem sofort zugestimmt, verlautete aus dem Präsidialamt.
Die Qaida des muslimischen Extremisten Osama Bin Laden, die die USA für die Anschläge 2001 verantwortlich machen, "hat noch immer den Wunsch, Anschläge gegen unser Heimatland zu verüben", sagte Ridge.
Die Warnstufe Orange, die zweithöchste, wurde zum fünften Mal ausgerufen, seit das System im März vergangenen Jahres eingeführt wurde. Sie wird bei einem "hohen Risiko" eines möglichen terroristischen Anschlags erlassen. Die Warnung Gelb, eine Stufe darunter, gilt, wenn das Ministerium das Anschlag-Risiko als "signifikant" beurteilt. Die höchste Warnstufe Rot wird bei "starkem" Risiko von Terroranschlägen erlassen. Zuletzt war die Warnstufe Orange im Mai ausgerufen worden, nachdem Selbstmordattentäter mehrere Menschen in Marokko und Saudi-Arabien getötet hatten.
Markus Brügge