Terrorprozess "Ich kannte ihn auch nicht richtig"
Hamburg - Die ehemalige Verlobte Aysel S. des Todespiloten Ziad Jarrah machte am Freitag vor dem Hamburger Oberlandesgericht keinerlei Angaben zu dem Angeklagten, einem 30-jährigen Elektronikstudent. Sie habe weder Abdelghani Mzoudi, noch die anderen Hamburger Freunde ihres Verlobten Ziad Jarrah persönlich gekannt, sondern nur hin und wieder mit einem von ihnen telefoniert: "Ich kannte zu diesen Namen, Adressen und Telefonnummern nie Gesichter." Dass sie seine Freunde kennen lerne, habe Jarrah nie gewollt, berichtete die 29-jährige Ärztin.
Der Angeklagte soll als Mitglied der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta bei der Vorbereitung der Anschläge mitgewirkt haben. Ihm werden Mord in mindestens 3066 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.
Aysel S. berichtete, wie sich ihr Freund in den Jahren vor den Anschlägen verändert habe. "Er hat mir immer mehr Vorschriften gemacht. Ich sollte mich nicht so freizügig kleiden", erklärte Aysel S. "Er wollte aus mir eine ruhige und unauffällige Frau machen." Sie hätten sich sehr oft gestritten und sich immer wieder getrennt und versöhnt. Auf die Frage, ob jemand Jarrah besser gekannt habe als sie, antwortete sie: "Im Nachhinein kann man ja sagen: Ich kannte ihn auch nicht richtig."
Zwei Monate nach den Anschlägen habe das FBI ihr Jarrahs Abschiedsbrief überreicht. "Anfangs habe ich mich schon gefragt: Ist das wirklich von ihm?", sagte die Zeugin. Sie habe Angst gehabt, dass die USA "irgendwelche Spielchen" machen. Mittlerweile glaube sie aber an die Echtheit des Briefes: "Meiner Meinung nach sind das seine Worte und seine Schrift." Sie habe allerdings nie das Original bekommen, sondern nur eine Kopie.
Mzoudi soll laut Anklage von den ersten Planungen bis zu den Anschlägen in die Pläne der Hamburger Terrorzelle um den Todespiloten Atta eingeweiht gewesen. Sein Landsmann Mounir al-Motassadeq, der ebenfalls als eine Art Hamburger Statthalter der Terrorzelle galt, war im Februar zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Die Revision beim Bundesgerichtshof läuft noch.
Mzoudi half nach Überzeugung der Anklage bei der Geldversorgung der Terroristen vom 11. September und stellte ihnen Unterkünfte zur Verfügung. Wie die anderen Mitglieder der Hamburger Terrorzelle soll er in einem al-Qaida-Lager in Afghanistan ausgebildet worden sein. Zur Sache will er sich nicht äußern.