Terrorverdacht 89 Festnahmen in Pakistan
London - Bei einer ersten Razzia wurden sieben Personen festgenommen, die nach Angaben aus pakistanischen Polizeikreisen verbotenen Gruppen mit Verbindungen zur al-Qaida angehören. Die Polizei in Lahore bestätigte am Dienstag, dass die Sieben möglicherweise auch Beziehungen zu den mutmaßlichen Attentätern von London hatten. Bei einer zweiten Razzia sollen 82 weitere mutmaßliche radikale Islamisten inhaftiert worden sein.
Die drei Tatverdächtigen pakistanischer Abstammung, die bei den Londoner Anschlägen vom 7. Juli selbst ums Leben kamen, hatten im vergangenen Jahr die Hafenstadt Karachi besucht. Dort könnten sie auch ihren "Mentor" getroffen haben. Mindestens einer der Tatverdächtigen nahm auch an einem Religionsseminar in Lahore teil.
Nach Angaben der "Times" kennen pakistanische Behörden den Namen eines Briten, der möglicherweise als Drahtzieher hinter den Londoner Anschlägen steckt.
Parfüm möglicher Sprengstoffverstärker
Die Ermittler in London bemühten sich am Dienstag weiter, die genauen Substanzen der vier verwendeten Bomben zu identifizieren, bei deren Explosion 56 Menschen ums Leben kamen. Der "Daily Mirror" berichtete, einer der mutmaßlichen Attentäter, der aus Jamaika stammende Jermaine Lindsay, habe versucht, die Sprengwirkung mit Parfüm zu intensivieren. Ein Privatdetektiv sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP, Lindsays Bankkonten würden derzeit überprüft, und ein großer Ausgabenposten der letzten Zeit sei in der Tat der Kauf von sehr viel Parfüm.
Blair traf sich am Dienstag mit Vertretern der muslimischen Gemeinde in London, um über eine Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus zu diskutieren. Dabei kritisierten seine Gesprächspartner, dass die für Ende des Jahres geplanten verschärften Anti-Terror-Gesetze muslimische Jugendliche weiter von der britischen Gesellschaft entfremden könnten. Einige der rund 25 Teilnehmer forderten eine stärkere Partnerschaft mit der Regierung. Nur so könne man jungen Muslimen zeigen, dass sie nicht ignoriert und ihre Bedenken gehört würden, betonte Inayat Bungalwala vom Muslimischen Rat. Dagegen habe die britische Beteiligung am Irak-Krieg den Extremisten in die Hände gearbeitet.