Terrorverdacht Schlag gegen Hamburger Atta-Connection
Hamburg - Abderrazak M., der in Hamburg aufgrund eines italienischen Auslieferungsgesuches wegen Terrorverdachts festgenommen wurde, war den deutschen Behörden kein Unbekannter. Ende März war er in Syrien bei dem Versuch festgenommen worden, in den Irak zu reisen. Syrische Behörden überstellten ihn an Deutschland, wo er nach mehrwöchiger Untersuchungshaft aber wieder freigelassen wurde. Im Juli landete der 30-Jährige dann nach monatelanger Observation erneut für einige Wochen in Untersuchungshaft. Diesmal wurde er verdächtigt, einen Bombenanschlag in Spanien geplant zu haben. Allerdings musste er im August wegen mangelnder Beweise wieder freigelassen werden. Obwohl sich Verfassungsschutz und Polizei sicher waren, dass der Algerier ein Attentat plante, konnten sie ihn nicht festsetzen. Man habe ihm nicht nachweisen können, dass er zu einer bestimmten terroristischen Gruppierung gehörte. Dies sei aber die Voraussetzung für eine Verurteilung nach dem neuen Terrorismusparagrafen im Strafgesetzbuch, sagte der stellvertretende Verfassungsschutzchef der Hansestadt, Manfred Murck. M. soll sich im Umfeld der al-Kuds-Moschee bewegt haben, aus dem auch die Terrorpiloten des 11. September stammten. Italienische Ermittler halten M. laut "Corriere della Sera" für einen der wichtigsten Schleuser für kampfbereite Gotteskrieger in den Irak und den Chef der radikal-islamistischen Gruppe, die heute in Mailand zerschlagen wurde.Dazu gehört auch der 38-jährige Mohamed D., der in Hamburg Elektrotechnik studiert hat. Der Marrokaner, Spitzname "Der Spezialist", war im April schon einmal festgenommen worden. Laut Mailänder Staatsanwaltschaft kannte Daki Mohammed Atta, den Kopf der Hamburger Todespiloten. Er hatte auch Kontakte zu Ramzi Binalshibh, 30. Der Cheflogistiker der Zelle sitzt an unbekanntem Ort in US-Haft. Daki soll sogar ein Jahr lang mit ihm zusammen gewohnt haben.
Der italienische Haftbefehl gegen den M. erging in Zusammenhang mit der Zerschlagung einer islamischen Terrorzelle in Mailand, die Selbstmordattentäter für den Irak rekrutiert haben soll. Dort wurden drei Extremisten gefasst. Insgesamt werde nach fünf Personen gesucht, die Freiwillige für Anschläge auf die US-geführten Truppen im Irak angeworben hätten. "Wir sprechen von echten Kämpfern, die von Einsätzen zurückgekehrt und ständig in Bewegung sind, die nach Extremisten suchen, um Selbstmordanschläge auszuführen", hieß es in den italienischen Kreisen.