Texas US-Gerichtshof stoppt Hinrichtung Kunkles
Huntsville - Wie Justizsprecherin Michelle Lyons mitteilte, gewährte der Oberste Gerichtshof in Washington einen Aufschub bis auf weiteres. Mit fünf zu vier Richterstimmen hatte der Supreme Court verfügt, dass der Fall neu überprüft werden soll.
Kunkle befand sich bereits im Warteraum neben der Todeskammer im texanischen Staatsgefängnis von Huntsville, als sein Anwalt ihn gegen 18.40 Uhr (Ortszeit) telefonisch von der Entscheidung unterrichtete. Der Gefangene habe mit großer Begeisterung auf die Nachricht reagiert, sagte Gefängnissprecherin Michelle Lyons. "Gelobt sei Gott!", habe der Todeskandidat gerufen, nachdem er bereits seine Henkersmahlzeit - Steak mit Pommes frites und gebratenem Hühnchen - zu sich genommen hatte.
Kunkle sollte bereits im Juli dieses Jahres hingerichtet werden, doch auch dieser Termin war in letzter Minute ausgesetzt worden. Der 38-Jährige ist der Sohn einer Deutschen und eines US-Soldaten und besitzt die US-Staatsbürgerschaft. Er wurde wegen eines Raubmordes im Jahr 1984 zum Tode verurteilt. Kunkle hatte damals als knapp 18-Jähriger in Corpus Christi mit zwei Komplizen einen Anhalter entführt und ermordet. Er selbst war der Todesschütze.
Für Kunkle haben sich etliche Organisationen von Todesstrafengegnern eingesetzt, darunter die deutsche "Initiative gegen die Todesstrafe e.V.", und der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). Er bat den Gouverneur von Texas, Rick Perry, in einem Brief, Kunkles Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Eine Hinrichtung verstoße gegen die Menschenrechte.
Die Exekution von Kunkle wäre bereits die 24. in diesem Jahr in Texas. Dort werden jedes Jahr mehr Todesurteile vollstreckt als in allen anderen US-Bundesstaaten. Von den landesweit 65 des vergangenen Jahres fanden 24 in Texas statt. Hier sitzen zurzeit 446 Verurteilte in Todeszellen.