Thailand Von Royals und Sexsklaven
Bangkok - Die Live-Soap um Prinz Thitiphan Yugala, 67, und seine Sexsklavin Chalasai Khwanthiti, auch genannt Luk Pla ("der Babyfisch"), sprengte nicht nur deutlich den Rahmen der üblichen Geschichtchen und Gerüchtchen über die streng konservative thailändische Königsfamilie. Auch für die Inhalte der europäischen Regenbogenpresse lag der Realkrimi deutlich am oberen Ende der Zumutbarkeitsskala.
Die Geschichte begann als anrührendes Märchen einer südostasiatischen Cinderella und endete im Frühjahr dieses Jahres als schiere Neuauflage des Gattenmord-Movies "Another Life" in Bangkok. In der Hauptrolle das Findelkind Chalasai, das von den eigenen Eltern ausgesetzt, im adeligen Haushalt von Prinz Thitiphan, einem Cousin des thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej, Aufnahme fand.
Im "Land der Freien", wo selten Nachrichten aus dem abgeschirmten Königshaus nach außen dringen, ist diese noble Geste durchaus gängig. Nicht so üblich allerdings war, dass der 37 Jahre ältere Royal sich, bald nachdem das Mädchen die Pubertät erreichte, damit brüstete, sie als seine "Sexmaschine" zu missbrauchen.
Obwohl die zierliche Frau im August 1994 mit dem Sexprinzen den Bund fürs Leben schloss, schien sie die eher einseitige Rollenverteilung der Beziehung wenig zufrieden zu stellen. Erstmals fiel das auf, als Prinz Thitiphan nach seiner schon seit Tagen verlustig gegangenen Junggattin in einer Zeitungsanzeige fahnden ließ. Da war es am Hofe aber längst kein Geheimnis mehr, dass "Babyfisch" sich mit einem Straßenhändler für Esskastanien eingelassen hatte und mit dem gleichaltrigen Mann nächtens ein intimes Verhältnis außerhalb der Palastmauern hegte.
Es kam wie es kommen musste. Am 21. August 1995 lag der ältliche Prinz nach einem Schluck des adligen Morgentees tot darnieder. Bei der Autopsie fand die Polizei einen unnatürlich hohen Anteil von Insektenvertilgungsmittel in seinem Magen. Die Einschaltquoten über das Gerichtsverfahren gegen die geständige Gattenmörderin Chalasai, das in diesem Frühjahr mit einer sechsjährigen Haftstrafe wegen Totschlags zu Ende ging, schlug alle TV-Rekorde.
Der Grund dafür liegt nicht nur in der Tatsache begründet, dass ansonsten recht wenig vom Leben der thailändischen Royals durch die Palastmauern dringt, sondern dass die Thais von ihrem König Bhumibol Adulyadej anderes gewohnt sind. Der 72-jährige Monarch, dessen Name "Stärke des Landes" bedeutet, gilt als moralischer Nukleus der Nation.
Eigentlich verfügt der in der Schweiz aufgewachsene König nach den Regeln des vor 69 Jahren zur konstitutionellen Monarchie gewandelten Staates längst über keine politische Macht mehr. Doch der geschätzte Agrarexperte, Fotograf und Hobbysegler ist gleichsam die Seele der Nation, Vaterfigur und gutes Gewissen der 63 Millionen Thais zugleich. Unablässig bereiste Bhumibol in den 54 Jahren seiner Regentschaft arme Provinzen, beauftragt den Bau von Bewässerungsanlagen und sorgt für die Hebung des Lebensstandards der Reisbauern.
Gerade bei den Landbewohnern erfährt der König wohl deshalb noch eine gottähnliche Verehrung. Ein strenges Protokoll sorgt dafür, dass dies auch so bleibt. So ist es beispielsweise verboten, dem König direkt in die Augen zu schauen. Selbst hohe Minister dürfen sich seiner Hoheit nur im Kriechgang nähern. Ähnlich wie im Nachbarland Kambodscha, wo König Norodom Sihanouk, 79, das Land nach dem Alptraum der "Killing fields" wieder einte, wird Majestätsbeleidigung auch in Thailand noch streng bestraft. Schon der versehentliche Tritt auf eine Geldmünze mit dem Antlitz des Königs brachte Touristen vor den Kadi.
Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnete Bhumibol einst als "Halbgott mit Schwäche für die starke Hand". Doch verlor er dabei nie das Herz für sein Volk. Schon 1973, als die Armee aufmüpfige Studenten bei der "Thammasat-Rebellion" an Bangkoks Straßenbäume aufknüpfte, verfügte der König den flüchtenden Demonstranten die Tore zum Chitralada-Palast zu öffnen, um so noch größeres Schlachten zu verhindern. Doch beim "Schwarzen Mai"-Aufstand 1992 starben wieder knapp 200 Demonstranten für den Ruf nach Demokratie. Bhumibol ließ daraufhin General Suchinda Kraprayoon, damals amtierender Premier, vor laufenden Fernsehkameras auf Knien um Entschuldigung winseln.
Zuletzt sorgte der König, dessen Privatvermögen vor der Asen-Krise im Jahre 1997 auf 1,8 Milliarden Dollar geschätzt wurde, im Januar dieses Jahres für einen handfesten Skandal in der thailändischen Politik. Als das Hongkonger Magazin "Far Eastern Economic Review" berichtete, der König habe bei einer Audienz Premier Thaksin Shinawatra wegen dessen mageren wirtschaftlichen Erfolgsbilanz heftig gemaßregelt, drohte der Regierungsvorstand den Journalisten mit Ausweisung. Sie hätten sich der "Majestätsbeleidigung" schuldig gemacht, so Thaksin. Das ließ sich nicht lange halten, und schließlich insistiert Thaksin im Interview mit der Zeitung nur noch kleinlaut: "Ich bin kein Diktator."
Die Ankündigung des Palasts vom Februar, König Bhumibol habe sich einer Prostata-Operation unterzogen, wird wie alle Meldungen zum Gesundheitszustand des Monarchen mit großer Sorge aufgenommen. Ähnlich wie im Nachbarland Kambodscha, wo König Sihanouk an einer Krebserkrankung leidet, steht kein männlicher Nachfolger bereit, der über die moralische Statur verfügt, um in die Fußstapfen des integeren Vaters zu treten.