Fotostrecke: "Ist Ihr Haus in Kinonähe, gehen Sie lieber weg"
Nordkorea-Komödie mit James Franco Hacker drohen mit neuem 11. September
New York - Wird die Premiere der umstrittenen Nordkorea-Komödie "The Interview" an Terrordrohungen scheitern? Wie das "Wall Street Journal" berichtet, hat die viertgrößte US-Kinokette Carmike Cinemas, die 278 Theater in 41 Bundesstaaten betreibt, bereits beschlossen, den Film nicht zu zeigen.
Auch die Premiere im Sunshine Cinema auf der Lower East Side in New York wurde abgesagt - ohne Nennung von Gründen. Die Webseite "BuzzFeed" meldete, die Hauptdarsteller James Franco und Seth Rogen hätten alle geplanten Medienauftritte abgesagt.
"The Interview" soll am 25. Dezember in den USA starten. Der Plot ist schnell erzählt: Zwei bekannte Journalisten (Seth Rogen und James Franco) bekommen die Möglichkeit, mit Kim Jong-Un ein Interview zu führen. Die CIA gibt ihnen den Auftrag, den nordkoreanischen Diktator zu töten.
Friedenswahrer auf Kriegspfad
Es wird davon ausgegangen, dass die Drohungen rund um den Film von Hackern ausgehen, die Ende November die Computersysteme von Sony Pictures angegriffen hatten. Die Gruppe, die sich selbst "Die Friedenswahrer" nennt, hat dem Sender CBS zufolge am Dienstag ein Statement verfasst. Unter Berufung auf die Anschläge vom 11. September 2001 warnen sie darin explizit vor einer Aufführung des Films und rufen die Menschen auf, sich von Kinos fernzuhalten: "Wenn Ihr Haus in der Nähe ist, gehen Sie lieber weg."
Die Konsequenzen sind den Verfassern zufolge dramatisch: "Wir werden Ihnen klar zeigen, welch bitteres Schicksal jene erleiden, die Spaß am Terror haben." Die Welt werde "voller Angst sein". Die nordkoreanische Regierung hatte den Film in einem Brief an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon als "unverhohlene Förderung des Terrorismus sowie eine Kriegshandlung" gebrandmarkt.
"Gnadenlose Gegenmaßnahmen"
Die Hacker hatten Tausende interne Dokumente kopiert und einige Unterlagen im Internet veröffentlicht. Darunter sind jede Menge sensible Daten, etwa interne E-Mails und persönliche Informationen über Filmstars. Von den etwa hundert veröffentlichten Ordnern sind Sony Pictures zufolge zumindest einige authentisch. Das Unternehmen entschuldigte sich bei seinen Mitarbeitern für die Sicherheitslücke und ihre Folgen.
Einer E-Mail des Sony-Studio-Chefs Michael Lynton ist zu entnehmen, dass er sich mit einem Beamten aus dem Außenministerium beraten hat, nachdem die nordkoreanische Regierung "gnadenlose Gegenmaßnahmen" im Falle einer Vorführung des Films angekündigt hatte.
Ein Vertreter der US-Behörde für Heimatschutz erklärte, die Ermittler hätten bisher keine konkreten Pläne für Anschläge auf Kinos ausgemacht. Die Polizeibehörden in Los Angeles und New York erklärten aber, sie nähmen die Warnung ernst.
Der Polizeichef von Los Angeles, Charlie Beck, sagte vor Reportern, man werde Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um die Filmtheater "so sicher zu machen, wie wir das eben können".