Theologie Es ist egal, wie Jesus aussieht
Bielefeld - Der Bielefelder Theologie-Professor Andreas Lindemann warnt davor, sich ein genaues Bild vom Aussehen Jesu machen zu wollen. Das jüngst vom britischen Fernsehsender BBC rekonstruierte Bild sei "pure Phantasie", sagte Lindemann in Bielefeld. Für den Glauben sei es unerheblich, wie Jesus tatsächlich ausgesehen habe. "Theologisch braucht man das nicht", betonte er.
Der Professor für das Neue Testament fügte hinzu, ihm gefalle an dem veröffentlichten Bild, "dass Jesus eher ein bisschen fremd und nicht ganz mild mit langen Haaren dargestellt wird". Er warnte in diesem Zusammenhang davor, Jesus "zu positiv" zu sehen und ihn als den "Milden und Väterlichen" zu verklären. An ihm müsse nämlich etwas Anstößiges gewesen sein, sonst wäre er nicht gekreuzigt worden, gab Lindemann zu bedenken. In der abendländischen Kunst sei Jesus aber verklärt worden.
Lindemann wies zugleich darauf hin, dass es in der Bibel keine einzige Aussage über das Aussehen Jesu gebe. Es gebe keine Überlieferung, "ob er Sandalen trug und ob er einen Bart hatte".
Die BBC hatte mit wissenschaftlichen Methoden rekonstruiert, wie ein Mensch zu Jesu Lebzeiten in Palästina ausgesehen haben könnte. Lindemann wertete das Ansinnen der BBC, für einen Spielfilm die Rolle des Jesus möglichst authentisch besetzen zu wollen, "nicht völlig verkehrt". Andererseits sei es auch wichtig, dass ein guter Schauspieler die Rolle übernehme.