KLÜGER WERDEN MIT: Thomas Friedman
SPIEGEL: In »Die Welt ist flach« beschreiben Sie Globalisierung als etwas, das unumkehrbar geschieht - welche Freiheit bleibt dem Menschen?
Friedman: Die flache Welt bedeutet, dass die Barrieren verschwunden sind, dass in Indien amerikanische Röntgenbilder ausgewertet werden, während amerikanische Ärzte schlafen. Die Dinge geschehen, wir können uns entscheiden, ob wir sie geschehen lassen oder tun wollen. Zwischen Aktion und Passivität können wir wählen.
SPIEGEL: Was muss der Mensch können?
Friedman: Die wichtigste Überlebenstechnik in der flachen Welt ist für jeden Einzelnen die Fähigkeit zu lernen, wie man lernt. Es geht nicht nur darum, was du weißt, es geht darum, wie du es lernst, denn was du heute lernst, wird schneller als je zuvor veraltet sein.
SPIEGEL: Es geht also um die Schnelligkeit, sich immer wieder anzupassen?
Friedman: Gene Sperling, der Wirtschaftsberater des Präsidenten Clinton, sagte, wir alle müssten uns auf den Arbeitsmarkt vorbereiten wie Athleten auf Olympia - mit dem Unterschied, dass wir nicht wissen, in welcher Sportart wir teilnehmen. Du musst vielseitig sein. Du musst Verbindungen schaffen können. Kreativität und die Fähigkeit zur Erneuerung werden sicherstellen, dass du immer einen Job finden wirst in der flachen Welt - ich meine die Fähigkeit, zwei Disziplinen zusammenzubringen, um etwas Drittes zu erreichen.
SPIEGEL: Bedeutet das permanente Überforderung?
Friedman: Es gibt vieles in der flachen Welt, das den Menschen glücklich machen sollte, aber auch vieles, das ihn erschöpft und frustriert. Die Möglichkeit, mit den eigenen Kindern zu sprechen, die auf der anderen Seite der Welt zur Schule gehen, sollte viele glücklich machen; von Wissenschaft über Unterhaltung bis hin zu Spielen: Menschen können heute rund um den Globus zusammenarbeiten, ohne emigrieren zu müssen. Aber klar, wir im Westen müssen schneller rennen und härter arbeiten, um unseren Lebensstandard zu halten. Das macht uns nicht glücklich und die Entwicklung unserer Umwelt auch nicht. Was das Glück angeht, ist die flache Welt ein Gemischtwarenkorb - wir müssen das Gute nehmen und das Schlechte dämpfen.
SPIEGEL: Wie finden Sie in dieser Welt noch Ruhe?
Friedman: Beim Golfspielen. Ein sehr unebener Sport mit einem sehr runden Ball.