Eis und Schnee in Europa: Winter und kein Ende
Tief "Maike" im Anmarsch Aus eisigkalt wird spiegelglatt
Hamburg - Kältehoch "Dieter" und seine Tiefsttemperaturen sind auf dem Abmarsch. Entspannung bedeutet das allerdings nicht. "Der Winter ist noch nicht vorbei", sagte Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Am Sonntag werde Tief "Maike" erwartet. Das heißt: Nächste Woche müssen sich die Menschen in Deutschland auf glatte Straßen einstellen. Denn auf dem gefrorenen Boden wird Niederschlag sofort zu Eis.
Am Wochenende bringt das Kältehoch über Russland laut DWD zunächst noch einmal frostiges, aber vielfach schönes Winterwetter. Am Samstag scheint meist die Sonne. Im äußersten Süden, teils auch in den östlichen Mittelgebirgen kann es schneien, im Norden ist es bewölkt, aber weitgehend niederschlagsfrei. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen minus zehn und minus einem Grad, wobei es an der Nordsee am wärmsten ist.
Am Sonntag scheint außer im Norden und Nordwesten überall die Sonne. Im Tagesverlauf nimmt die Bewölkung in der Mitte und im Westen zu. Die Höchsttemperaturen liegen bei null Grad im Nordwesten und bis minus zehn Grad am Alpenrand. Am Montag ist es laut DWD-Prognose eher bewölkt. In Süddeutschland schneit es, von Nordwesten her zieht neuer Niederschlag heran, der teils als Schnee, teils als Regen fällt. Es besteht wieder Glatteisgefahr. Im Nordwesten und Westen werden Plusgrade erreicht.
Schnee- und Eisglätte machten den Autofahrern in Nordrhein-Westfalen schon zu schaffen: Am Donnerstag gab es zahlreiche Unfälle und Staus, mehrere Menschen wurden verletzt. Vor allem auf der A1 und der A4 in den Regierungsbezirken Arnsberg und Köln machte Blitzeis Autofahrern das Leben schwer. Mindestens vier Menschen wurden bei einem Glatteisunfall mit einem Linienbus in Hagen verletzt, unter ihnen ein elfjähriges Mädchen. Die Bahn kam dagegen bisher weitgehend chaosfrei durch die Kälte.
Die Eisbildung in den Küstenbereichen wird nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in den nächsten Tagen weiter zunehmen. Für Sonntag wird eine Eisdrift in östliche Richtung erwartet. Im Wattenmeer sind die Halligen derzeit vom Festland abgeschnitten, eine dicke Eisdecke stört weiter die Schifffahrt an der vorpommerschen Ostseeküste. Den vor der vorpommerschen Küste eingesetzten Eisbrechern gelang der Durchbruch durch die seit Donnerstag geschlossenen Eisbarrieren am Ausgang des Greifswalder Boddens. Am Freitag bahnte der Tonnenleger "Görmitz" zwei Frachtern den Weg durch das vom Wind aufgetürmte Eis, wie das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund mitteilte. Allerdings liegen mindestens sechs weitere Frachter im Greifswalder Bodden fest.
Niederländischer Schlittschuhläufer tot aufgefunden
Die Schokoladenseite des Winters können die Hamburger genießen. Deutschlands größte Winterparty auf dem Eis begann am Freitag: Bei strahlendem Sonnenschein stürmten Hunderte Hamburger und Touristen zum Alstereisvergnügen auf die Eisfläche der Außenalster. Bis Sonntag werden auf dem Binnengewässer mehr als eine Million Besucher erwartet - das sind mehr als beim letzten offiziellen Alstereisvergnügen 1997.
Auch andernorts rutschten die Menschen mit Schlittschuhen über zugefrorene Seen - kein ungefährliches Unterfangen: In Baden-Württemberg mussten zwei Menschen aus eiskalten Gewässern gerettet werden. Ein Zwölfjähriger war beim Schlittschuhlaufen am Donnerstagabend auf dem Burgerwaldsee in Offenburg durch das Eis gebrochen. Auf dem Flückiger See in Freiburg erwischte es laut Polizei einen Mann mittleren Alters.
Der seit einer Woche im Krickenberger See an der niederländischen Grenze vermisste niederländische Schlittschuhläufer wurde am Freitagnachmittag tot aufgefunden. Auch wenn die endgültige Identifizierung noch ausstehe, gebe es keinen vernünftigen Zweifel an der Identität des Toten, teilte die Polizei in Viersen in Nordrhein-Westfalen mit.
Mehr als 400 Kältetote im Osten und Südosten Europas
Im Osten und Südosten Europas soll es eisig bleiben. Die Zahl der Kältetoten stieg dort auf mehr als 400, die meisten starben in Russland, der Ukraine, Polen, Rumänien und Serbien. In Rumänien hat die klirrende Kälte weiteren 13 Menschen das Leben gekostet. Das Gesundheitsministerium teilte am Freitag mit, rund 220 Obdachlose seien in Notunterkünfte gebracht worden. Die Temperaturen fielen in der Nacht auf minus 20 Grad. Rund 260 Gemeinden waren nach Behördenangaben wegen Schneeverwehungen von der Außenwelt abgeschnitten. Im Osten des Landes waren Tausende Menschen betroffen. Wegen des starken Eisgangs ordnete das rumänische Verkehrsministerium am Freitag die Einstellung der Schifffahrt auf dem rund 700 Kilometer langen rumänischen Teil der Donau an. Auch sechs Fähren waren betroffen. Für die Binnenschiffer bedeutet die Zwangspause den Verlust von Millionen von Euro.
An der kroatischen Küste peitschte ein Schneesturm, der auch die Touristenhochburg Dubrovnik traf. Bulgarien stellte wegen der Kälte seinen gesamten Stromexport ein.
Im Asowschen Meer, einem Nebenmeer des Schwarzen Meeres zwischen der Ukraine und Russland, liegen 186 Schiffe fest und warten auf die Hilfe von Eisbrechern. Die Köchin eines russischen Frachters und ein Besatzungsmitglied eines russischen Eisbrechers wurden am Donnerstag per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Die Frau litt an Unterkühlung und Erfrierungen, der Mann soll nach Medienangaben einen Herzinfarkt erlitten haben. Russische Medien kritisierten, die Ukraine habe zu spät begonnen, den eingeschlossenen Schiffsbesatzungen am Asowschen Meer Hilfe zu schicken.
In Frankreichs Hauptstadt kostete die Kälte erneut Menschenleben: In Paris erfroren zwei Obdachlose. Für das Wochenende erwartet der französische Wetterdienst tiefe Temperaturen gerade im Süden des Landes. Rund um die Region Marseille und weiter östlich am Mittelmeer kann es demnach zu Schneefall kommen. Insgesamt werden noch für 55 Départments in Frankreich Frost-Warnungen ausgesprochen.
In der Türkei leiden die Opfer des Erdbebens vom Oktober unter der Kälte. In der Region um Van leben noch immer 7500 Menschen in Zelten. Das Erdbebengebiet, in dem vor vier Monaten 140.000 Menschen obdachlos wurden, liegt unter einer 30 Zentimeter dicken Schneedecke. In der Nacht zu Freitag zeigte das Thermometer minus 20 Grad.