Tiergeschichten Ist das Rhein-Krokodil eine Ente?
Wiesbaden - Die Behörden scheinen die Meldungen von Radfahrern, Bootsführern und Rheinanliegern ernst zu nehmen: Mit Booten und einem Hubschrauber hat die Polizei im hessischen Rheingau nach einem Krokodil gesucht. Zeugen wollten eine knapp 1,50 Meter lange Panzerechse in der Nähe von Eltville gesehen haben. Ein Bootsführer und ein Anwohner hätten unabhängig voneinander "Krokodilalarm" bei der Wasserschutzpolizei Rüdesheim gegeben, teilte die Polizei mit. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte es in Speyer, rund 118 Kilometer flussaufwärts, erste Meldungen über ein angebliches Krokodil im Rhein gegeben.
20 Beamte suchten in Booten mit geringem Tiefgang das Flussufer ab, zunächst ergebnislos. Wegen der möglichen Gefahr riet die Polizei, auf Baden zu verzichten. Sportbootfahrer sollten den Bereich ebenfalls meiden.
Hochleistungskrokodil oder eine Ente?
Falls es tatsächlich ein "Rheinkrokodil" gibt, das von Speyer bis Eltville flussabwärts geschwommen ist, wäre das angesichts des Schiffsverkehrs "eine reife Leistung", meinte ein Polizeisprecher. Bei Eltville biete der Rhein allerdings hervorragende Verstecke: Auf Sandbänken und zwischen Uferpflanzen gebe es Enten und anderes Federvieh als Nahrung.
Gunther Köhler, Leiter der Reptilienforschung des Frankfurter Senckenbergmuseums, glaubt nicht an die Existenz der Echse. "Krokodile sind keine Langstreckenschwimmer, es ist undenkbar, dass ein Krokodil in wenigen Tagen über 100 Kilometer weit schwimmt." Die Tiere seien außerdem "standorttreu".
In den vergangenen Sommern haben bereits mehrfach entflohene oder ausgesetzte exotische Tiere - wie der Brillenkaiman Sammy in Nordrhein-Westfalen und Känguru Manni aus dem niedersächsischen Bad Pyrmont - für Schlagzeilen gesorgt.